Bruno stutzte.

In den lackierten Altjungferräumen der Handarbeitslehrerin, in denen Line sonst nur auf Zehen umherzuhuschen wagte, war solch heller Ton ungewohnt. Das mußte Fräulein Dewitz bald rügen. Und befremdet spähte Bruno in die halboffene gute Stube, ob die alte Dame noch nicht würdevoll herausschritte. Doch Line schien ihm den Gedanken von der Stirn zu lesen: »Nein,« sagte sie, »sie ist nicht da.«

»Nicht da?«

»Nein, beim Konsul eingeladen. Da sind nur die Nächsten. Zur Verlobung.«

Bruno erschrak. Das Blut stieg ihm ins Gesicht.

Er schämte sich, als ob das Wort absichtlich gegen ihn gerichtet wäre.

Unterdessen war ihm Line in die Stube vorangetreten. Auf dem Tische brannte eine hohe Porzellanstehlampe, in deren Glanz Fußboden, Spiegel und die lackierten Stühle förmlich widerstrahlten.

»Komm,« forderte Line den Zögernden auf. Er zauderte noch und fragte, ob er trotz der Abwesenheit des alten Fräuleins wirklich nähertreten dürfe, aber Line warf ihm nur einen verwunderten Blick zu: »Natürlich — es ist doch hübsch, daß sie endlich mal weg ist — ach, dieses Beobachtetwerden.«

Dabei stand sie in ihrem roten Kleide vor dem Spiegel, wandte sich ein wenig hin und her und blickte sein Spiegelbild in dem Glase an.