Ganz seltsam war es, wie sie jetzt langsam und voller Besinnung auf ihn zuschritt: »Hör',« sagte sie mit bebender Stimme, während ihre Augen in düsterer Glut seine Meinung zu durchdringen suchten, »ich bin nicht so eine, wie du vielleicht glaubst. Das mußt du nicht denken. Ich will es dir sagen, ich bin dir auch gut, schon seit langem, aber ich weiß, was ich will. Wenn du's nicht ganz ehrlich mit mir meinst, dann laß mich allein meiner Wege gehen. Ich komm' auch ohne dich in die Höhe — hörst du?«

Ihre Stimme nahm einen drohenden Klang an.

Die Uhr schlug wieder ihren Schlag.

Eins — zwei — drei — vier —

Und mit jedem Schlag wuchs die rechnende Besinnung in den beiden Menschen.

»Nun sag,« drängte sie schroff. Aber er stand wie gelähmt. Der Gedanke, der ihn sein ganzes Leben hindurch beherrscht hatte, daß er seine Zukunft im Auge behalten müsse, daß er alle Hilfsmittel wahrnehmen, eine reiche Frau heiraten, und weder links noch rechts abirren dürfe, der war plötzlich riesengroß in ihm aufgeschossen und hielt ihn fest. — Er wand sich, wie unter einem körperlichen Schmerz.

Doch sie besaß wohl wirklich die Hexenkraft, alles von seiner Stirn lesen zu können.

»Pfui!« schrie sie laut auf.

Wie einen blühenden Rotdorn, den der Sturm peitscht, so faßte der Zorn all die feinen Glieder in dem roten Gewande an. Der Betroffene sah sie sich förmlich zusammenkrümmen, dann riß sie ihr Kleid enger um sich zusammen, und vor Scham und Wut aufschluchzend stürzte sie auf den Alkoven zu.

Das war der Stoß, den der über den Abgrund Gebeugte noch erhalten mußte.