Plötzlich schrie sie auf. Er sprach nicht mehr von dem Schloß, wirre Worte fielen: »Du bist das Schönste — du bist das Schönste.«
Im ersten Schreck lief sie bis in die Mitte der Stube, doch vor dem Spiegel erreichte er sie. Sie kehrte ihm den Rücken, als grolle sie ihm, aber er sah, wie ihre Augen ihn in dem Glase halb erwartungsvoll, halb flehend beobachteten.
Da fiel ihm plötzlich wieder die Kette ein. Mit einem unterdrückten Ruf riß er das Schmuckstück hervor, und immerfort stammelnd: »Du bist das Schönste,« faltete er es blitzschnell auseinander, und mit hocherhobenen Armen führte er die goldene Schnur über ihr Haupt fort.
Mit großen erschrockenen Augen stand sie da. Das hatte er bis jetzt noch nie gewagt.
Unter seinen Händen begann sie zu zittern, als ob ein Fieber sie schüttelte.
Ein betäubender Sturmwind brauste über beiden.
Erwartend, still, ohne Bewegung, hatte sie geduldet, daß er wilde, besinnungslose Küsse auf ihren Nacken gepreßt, und es war, als ob sie die Schläge zähle, die dort die kleine Uhr an der Wand tickte.
Eins — zwei — drei — vier.
»Du bist das Schönste,« klang es vor ihr auf, verschüchtert vor ihrer Schönheit.
Aber dieser erste Menschenlaut schlug alles in Trümmer. Mit wilder Kraft schleuderte sie die Kette plötzlich von sich, daß sie zerrissen auf die Erde klirrte, und wie erschrak er, als er das schneebleiche Antlitz gewahrte, in dem nur die Lippen von blutvollem Leben redeten.