Da schlug es ein.

Ein lang anhaltendes Knattern lief durch die Straße, die Häuser bebten.

Line wurde schneebleich, doch ihre Augen behielten den trotzigen Glanz, als sie jetzt ihr dunkles Köpfchen wandte, um dem jungen Manne unmerklich zuzuwinken, der auf der andern Seite der Straße trotz des prasselnden Regens im Vorbeieilen zweimal den Hut schwang. — Bedeutungsvoll fast, wie ein Zeichen.

»Sieh,« sprach Fräulein Dewitz mit zitternder Stimme, wobei sie um alles in der Welt nicht die ängstlich gefalteten Hände gerührt hätte, »er ist und bleibt doch ein wohlerzogener junger Mann. Selbst in diesem Wetter hat er jede von uns besonders begrüßt. Das ist Anstand, Kind. Mein Gott, wenn es doch nur bald vorüber wäre.«

Es war ein wildes, fast unmutiges Lächeln, das bei diesen Worten der Handarbeitslehrerin um Lines Lippen ging. Sie hätte sich ja über dieses verabredete Zeichen des Vorübereilenden freuen müssen, denn es bedeutete, daß irgend einer der Pläne Brunos zum glücklichen Ziele gelangt sei.

Aber — aber — — —

Was er wohl treiben mochte?

Sie konnte es nicht ergründen. So oft sie auch fragte. Aber er hielt fest an ihr. Er hatte es ihr ja damals geschworen, und sie fühlte auch selbst, wie groß ihre Macht über ihn war. Das blieb doch die Hauptsache.

Zudem gab er sich auch sonst fast immer so froh und hoffnungsvoll, und so waren es wohl nur die vielen Pläne, welche die Zukunft von ihnen beiden sicherstellen sollten, die ihn manchmal zerstreut und unrastig erscheinen ließen.

Aber gottlob, er hatte ihr ja geschworen, und bald, bald hatte sich wohl alles gefügt; und was sich jetzt mit solcher Schwere auf sie senkte, das war wohl nur diese dumpfe Schwüle, denn Fräulein Dewitz litt nicht, daß das Fenster geöffnet würde.