Es war für die beiden Damen eine Freude, zu sehen, wie elegant und adrett der junge Mann sich wieder in seinem grauen Sommeranzug ausnahm. Er küßte dem alten Fräulein die Hand, sagte ihr allerlei Angenehmes über ihr Aussehen, erzählte, daß der Konsul gegen Mittag zurückerwartet werde, und schloß endlich mit der Bitte, ob ihn Line nicht nach Moorluke begleiten dürfe. Er möchte sich wieder einmal nach den Seinen umsehen.

Diese Erlaubnis konnte nun leider nicht erteilt werden, wenn auch Fräulein Dewitz die Familienanhänglichkeit der beiden jungen Leute nicht genug rühmen zu können glaubte, indessen das alte Fräulein schickte sich eben an, den Konsul und Dina von der Bahn abzuholen, und Line müsse sie begleiten. Dinas wegen. Das sei so in der Ordnung. Aber in den nächsten Tagen. Gerne — sehr gerne.

Bruno schien durch diese Abweisung etwas betreten zu werden, er plauderte noch ein Weilchen und wurde dann von Line hinausbegleitet.

Hinter der Glastür hielt sie ihn noch einen Augenblick fest.

Später blieb es ihr unbegreiflich, wie leicht und unauffällig sich alles abgewickelt hatte. Aber die großen Momente des Lebens pfeifen vorüber wie die kleinen, wie dieses selber! — Was bleibt?

Sie legte ihm leicht die Hand auf die Schulter und schmiegte sich an ihn.

»Bruno,« fragte sie, indem sie ihre schwarzen Augen drängend zu ihm erhob, »es bleibt doch bei unserer Verabredung?«

»Bei unserer?« — Er warf rasch ein »Ja — ja« hin und schien es sehr eilig zu haben.

»Übermorgen kommst du also zu Fräulein Dewitz — nicht so?« fuhr sie fort.

Er nickte, zeichnete mit dem Stock allerlei Figuren auf den Boden der Diele und griff dann fest nach ihrer Hand.