Jedes Geschenk des Lebens nahm sie gierig an.
Es war ein wunderliches Bild, das die beiden jetzt boten: das junge frierende Weib mit den zerzausten Haaren und dem wilden, unsteten Blick, und ihr gegenüber der ungelenke Mann in der flatternden Schifferjoppe und dem geduckten Haupt, beide unter der Mühle und bestrahlt von der Laterne.
»Lining,« hob Hann wieder an, denn er fürchtete nichts so, als seinen kostbaren Fang aus dem Netz zu verlieren. »Is doch gut, daß ich dich hier treff', denn du wolltest gewiß zu uns herüber, und da die Brücke gebrochen ist, so muß ich dich in der Fähre rüberschaffen.«
»So? Ist sie gebrochen?« wiederholte sie verächtlich. Aber Hann hielt fest, ganz dicht stand er jetzt vor dem Balken, so daß das zuckende Licht von unten sein Gesicht überhuschte.
»Natürlich, Lining, is sie gebrochen. Hast du das vergessen? Aber du, — du hast gewiß von dem Unglück bei uns gehört. Und da wolltest du kommen, um Mudding zu trösten. Is nich so?«
So hell war der Lichtkreis um die beiden geworden, daß die argwöhnische Line sofort an seinen scheu auf sie gerichteten Augen erkannte, wie sehr der Tölpel alles wußte.
Oh, sie hätte ihn dafür mit der geballten Faust ins Gesicht schlagen mögen.
»Wozu verstellst du dich?« fuhr sie ihn an und riß an seinem Arm. »Du weißt ganz gut, daß ich alles früher wußte, wie ihr. Wozu soll das?«
Hann hielt still.
»Lining, ich sagte man so. Aber dann weißt du gewiß auch, daß unser Vieh verkauft wird, und die Boote, und das Haus.«