Eierkauken stellt nämlich Klaus Muchows Leibgericht dar, denn der Riese ist ein Leckertähn, und da dieser Kuchen nirgends so lieblich mit Butter und Eiern bereitet wird, als bei Frau Fiek, so drückt Eierkauken jedes gute Prinzip aus, zum Beispiel den Himmel — einen scharfen Priem — einen Bummelschottschen mit Frau Fiek, denn sobald der Fußboden und die Decke fest sind, dann tanzt das Riesenpaar gern miteinander; Eierkauken ist ferner ein schattiger Platz in der Kirche — die Sparbüchse, und ein Faustschlag, den oll Kusemann wegen seiner Lügen und Neckereien zu empfangen hat.

Das Merkwürdigste aber in dieser Ehe bleibt, daß Klaus Muchow nur seiner Riesin auf die Lippen zu sehen oder ihren heftigen Gebärden zu folgen braucht, um tatsächlich jedes Wort zu verstehen.

»Na, Männing,« fragt Frau Fiek, nachdem ihr Gatte mit den Füßen in ein Paar Holzpantoffel gefahren ist und nun den Kaffeetopf in der Hand hält: »Schön was gefangen heut?«

Klaus Muchow schlürft laut den Kaffee und schüttelt mißmutig das struwlige Lockenhaupt.

»Na,« tröstet die Riesin und schlägt ihm dabei schallend aufs Knie, was aber eine Liebkosung bedeuten soll, »schadet nich — wir haben ja erst gestern aus der Räucherei Geld bekommen; man muß auch nich zuviel verlangen.«

Jetzt grunzt der Fischer zum Zeichen der Zustimmung ein bißchen, während das Schlürfen erstirbt. Dann setzt er den Topf hin, zeigt auf die Seitenwand, schließt die Augen und beginnt einen Augenblick laut zu schnarchen, worauf Frau Fiek, die bereits am Herd hantiert, den Kopf schütteln und antworten muß: »Nein, sie is noch nich aufgestanden. Kann sich das Langschlafen aus ihre vornehme Zeit noch immer nich abgewöhnen.«

»Eierkauken,« murmelt Klaus mitleidig und macht mit der Hand die Gebärde des Streichelns.

»Ja, ja, ich weiß woll,« fährt Frau Fiek fort, »du magst sie gern leiden, und die beiden haben ja auch viel Unglück gehabt. Erst ihr bißchen Hab und Gut verloren, dann das Unglück mit dem Stiefvater, der sich aufgehangen hat. Zwei Tage später noch eine zweite Leiche im Haus. Die gelähmte alte Frau Klüth — der ja der Tod von Siebenbrod den Rest gegeben haben soll, zum Schluß das mit dem jungen Ding selbst — o je, o je — was soll man dazu sagen? Aber ich mein, nun könnte sie sich doch auch ein bißchen in die Verhältnisse schicken und sich nich mehr so vornehm aufspielen. Nu hör' bloß! Schlägt all sieben. Und sie schläft noch immer. Nimmt doch von einem Fischer ihr Brot an, da müßt sie sich auch so haben, wie eine Fischerfrau.«

Sie unterbricht sich, denn ihr Klaus grunzt laut und vollführt mit seinen Händen derartige Bewegungen, als wenn er zwei Stricknadeln in der Hand hielte.

»Ja, ja,« versteht ihn die Riesin sofort, »ich weiß all, was du willst. Sie strickt seit ein paar Tagen neue Strümpfe für Hann. I, ja, das is aber auch man so ne Arbeit für vornehme Damens. Ihr Fräulein Dewitz war ja ne Handarbeitslehrerin. Weshalb soll sie denn so was nich verstehen?«