Der Riese grinst wohlgefällig, verzieht das blondumbärtete Maul und versucht, sich fester an den Haken zu klammern, wobei er aber das fußlange Eisen ausreißt.
Jetzt gerät er in Zorn, besieht sich das Eisen, schleudert es in den Holzkorb und brüllt, daß der kleine, kaum sieben Fuß hohe Raum erzittert: »Stäwelwichs — Stäwelwichs!«[9]
»Hast recht,« antwortet darauf Frau Fiek ruhig, »der Schmied hat sie nich ordentlich eingehauen.«
Hier könnte man nun einsenden, daß Frau Fiek ihrem Klaus ganz unlogisch antwortete, denn der Riese hat doch augenscheinlich Stiefelwichse verlangt, von deren Anwendung er vielleicht eine Erlösung von seinen Transtiefeln erwartete. Aber wer das denkt, der zeigt eben, daß er das stärkste Moorluker Ehepaar gar nicht kennt, denn eben hat Frau Fieks eiserne Faust das Leder dennoch heruntergezogen, und der Gatte brüllt nun in allen Tönen der Freude: »Eierkauken — Eierkauken.«[10]
Damit ist Klaus Muchows Wortschatz beendet, denn das blonde Neptunshaupt ist taubstumm, und erst nach langen Mühen hat ihm Frau Fiek diese beiden Worte beigebracht, die er nun für jede Gemütsregung anwendet.
Klaus Muchow ist seelensgut, er hat alles lieb, mit Ausnahme einer Büchse Stiefelwichse, die ihm einstmals in der Dunkelheit und in der Abwesenheit seiner Frau an den Mund geriet, um dann allerdings von ihm in höchstem Grimm in den Rick geschleudert zu werden. Dieser Gemütserschütterung verdankt er das Wort.
»Stäwelwichs.«
Stäwelwichs bedeutet seitdem alles, was ihm schlecht dünkt. Der Teufel — ein zerrissenes Netz — ein betrunkenes altes Weib — Leibschmerzen — alles ist Stäwelwichs.
Dagegen haben ihm sein Magen und seine Leckerzunge auch das Wort für alle Idealität und die Erscheinung des Guten geliefert.