Als der Morgen graute, da lag vor dem blauen Koffer, den der Bootsmann einst als einziges Gut in die Ehe mitgebracht hatte, ein braunes Stück Segeltuch, unter welchem sich undeutlich die Umrisse eines hingestreckten Körpers abhoben, und auf dem Koffer saß Hann und hielt lautlos die Leichenwacht. Und immer wieder guckte er hinunter und fragte sich: »Da liegt er nun so still, so mucksenstilling, und soll doch mal auferstehen? — Und wenn Mudding man in den Himmel kommt, dann findet sie nun zwei Männer vor. — Wie das wohl is? — Und ob der liebe Gott wohl kleiner würd', wenn das Wiederfinden man solch ein Trostmärchen von die Pastoren wäre? — Ich weiß es nich. — Aber hör', da draußen kräht all der Hahn — und da noch einer und wieder einer.

O Siebenbrod, jetzt takeln die anderen Fischer ihre Boote ab und gehen zur Ruhe. Und du hast dich all so viel früher hingelegt. Darin liegt wohl das, was unrecht is, und was die Menschen nich verzeihen mögen. Denn ich denk mich man, durch das Leben kriegen wir doch erst all die anderen Gottesgeschenke. Und sieh, jetzt kommt es mich auch so vor, als ob das Leben selbst doch wohl mit das höchste Glück sei. Denn die Sonne und die Sterne und das Wasser nie gesehen und niemals eine menschliche Stimme gehört zu haben, wie zum Beispiel Line ihre, das is wohl das Aller — — Allerschlimmste. Kuck, Siebenbrod, und all das wegwerfen, nein, ich muß dich sagen, darin liegt mehr als Sünde, darin liegt Dummheit.«

Und als er das sagte, da schmetterte laut und lebensvoll der Hahn, und immer heller fiel das Morgenlicht auf das braune Segeltuch.


V

Zwei Monate später.

Die Herbst- und Reisemonate sind vorüber. Oll Chronos schmierte um diese Zeit seine Karre. Er will den Sommer abholen und nebenbei die fauligen Ähren von den Feldern lesen, denn in solch mürbegewordenen Sommertrieben liegt neuer Dung.

In der Küche der kleinen Katenhütte, in der Hann und Line jetzt zur Miete wohnen, sitzt der Besitzer des Hauses, der riesige Fischer Klaus Muchow, auf seinem Schemel und hält sich mit weit ausgespannten Armen an zwei eisernen Haken der lichtblauen Mauer fest, weil ihm seine Frau sonst unmöglich die gewaltigen Transtiefel ausziehen könnte, die wie Pech an seinen Füßen kleben.

»Ne,« atmet Frau Fiek[8] nach einigen vergeblichen Versuchen, und die starkknochige Frau, die ebenfalls eine blonde Riesin ist, wischt sich den Schweiß, »nein, wenn ich dich das nich seit dreißig Jahren angewöhnt hätt', und du mir nich bis jetzt jeden Stiefelzieher zerbrochen hättest, hör', Mann, ich würd's nich mehr tun. Da gehört ja ne Maschine dazu oder doch zwei Pferde.«