Er nahm ihre Hand und stammelte dabei: »Siehst du — gut sein — ja, das is es — gut sein, das bin ich dir auch, Klara, wie ich es mit gar keinem anderen sein könnte. Aber sieh — ich schäme mich so, wenn ich es aussprechen soll, is es nich schrecklich eingerichtet in den menschlichen Herzen, daß man der einen Frau so herzlich gut sein kann, und die andere hat den Zauber?«

»Welchen Zauber, Hann?«

Er fragte sie, ob sie sich der Geschichte oll Kusemanns nicht mehr erinnere, von der Liebeshexe. Die sollt' mal Venus geheißen haben oder auch Freiin. Genau wußte das der Lotse selber nicht. »Jedenfalls jetzt is sie ein altes Weib und sitzt irgendwo auf einem Kreidefelsen unter einer geborstenen Tanne. Und wenn sie ein rechtes Stück ausüben will, dann schneidet sie bei Vollmond aus dem Unterschuß des Triebholzes zwei saftige Stäbchen, schält sie ab und schreibt zwei Namen darauf. Immer solche, die gar nich zueinander passen. Wie Lines und meinen. Und dann bindet sie sie zusammen und schleudert sie ins Meer und murmelt etwas dabei in ihren Bart, damit ein Hecht kommt und die Stäbchen verschluckt. Und solange der Hecht nich gefangen und aufgeschnitten wird, auf daß das liebe Tageslicht wieder auf die Hölzer scheint, so lange, Klara, kommen die beiden Menschen nich auseinander und wollen auch nich.«

Sie wandte ihren klaren Blick auf ihn.

»Und das ist alles so bei dir?« forschte sie. Ein tiefes Mitleid zitterte aus ihrer Stimme.

Er holte tief Atem und rang die Hände.

»Ja, Klara,« gab er dumpf zurück. »Das is so bei mir. Das Tageslicht will nich auf mich fallen.«

»Und die Hölzer passen nicht zusammen?«