»Lining, ich sagt es ja nur zum Guten. Der Mensch muß sich doch in jeder Lage zuerst ein richtiges Bildnis von sich selbst machen. Das ist doch das erste. — Lining, wenn du mir nich bös wärst, würdest du mir dann woll die Hand geben?«
Er wartete eine Zeitlang, dann bemerkte er, wie sich langsam ihre Finger ihm entgegenreckten, und plötzlich schoß Siedehitze in ihre Wangen, sie griff nach seinem Arm, um mit fiebriger Stimme zu fragen: »Bin ich schon lange so häßlich, Hann?«
»Du, Lining? — O Gott —« Er getraute sich nicht, von seinem vollen Herzen mehr zu verraten.
»Sonst hab' ich dir immer gefallen,« fuhr sie nachdenklich fort und unter Tränen schmerzlich lächelnd.
»Ja, ja, Lining, und das wirst du auch bis an mein Lebensende.«
»Armer Hann — dir glaub' ich's — armer Hann.«
Dann legte sie ihre Schleife ab und die Brosche. Die Schublade knarrte, als sie alles hineinlegte. Darauf suchten sie wieder ihre Plätze auf, sie an dem Tisch und er an seiner Ofenbank, und ein langes, banges Schweigen senkte sich herab.
— — — — — — — — — — — — — — — —
Seitdem war Line wie gebrochen. Sie verließ ihre Kammer nicht mehr. Sie saß und dachte über sich und Hann nach. Lag vor ihrem Bett und weinte und konnte es dann gar nicht erwarten, daß Hann heimkehrte. Denn seine dummen, ehrbaren Vernunftsgründe waren das einzige, was ihr die Furcht vertrieb.
Manchmal sprach sie ganz sonderbar zu ihm.