Dabei verrieten ihre lebhafter glänzenden Augen, wie ihr die schlanke Gestalt in dem hellblauen Pflegerinnengewande, das ihr früher soviel Abscheu eingeflößt, jetzt gefiel. Neugierig fast spähte sie nach den braunen Haaren, die im Glanz der Sonne weich unter dem Haubenlatz hervorquollen.
Unterdessen hatte die Schwester einen Arm um Lines Schulter geschlungen, und nun konnte sich die Liegende aufrichten.
»Komm,« bat Klara, »sieh von da fort.«
Doch Line schüttelte nur eifrig das Haupt und bog den Hals gespannt wieder nach dem Fenster. »Das verstehst du nicht,« erwiderte sie leise, »ich muß drauf warten.«
»Worauf, Line?«
Aber Line blieb stumm. Doch wenn sie auch schwieg und wie gezogen wieder auf das Wasser hinausträumte, Klara Toll wußte aus früheren Reden recht gut, was die Gedanken der Leidenden lenkte.
Da lag sie nun schon seit Wochen, vom Fieber geschüttelt, sie, die so leidenschaftlich nach dem Leben verlangt hatte, nach einem besseren, tätigen Dasein, und siehe, das Leben verwarf sie, das Leben hatte sie auch fürder ausgespien. Nichts konnte sie dem Neugeborenen leisten, vor dem sie ursprünglich solche Angst gehegt, auf keine Weise Hann danken, der sie unausgesetzt, wie ein großer, treuer Haushund, bewachte. Und nun waren mitten in ihre Fieberträume die Reden der Hausgenossen hereingedrungen über das Vordringen des Wassers, und seitdem lag Line und lauerte.
Unausgesetzt, wie auf etwas Wunderbares. Immer wieder wandte sie sich nach der eisigen Fläche. Und wenn sie es auch nicht wieder laut werden ließ, ihre verlangenden Augen redeten es deutlich: »Nun?«
Und dann wieder.