»Für Hann Klüth.«
Ich glaubte, ich hätte nicht recht verstanden und forschte zum zweitenmal: »Für wen?«
Der Alte sah mich mit seinen eingesunkenen, triefenden Augen mißfällig an: »Ich sagt' dir ja, für einen ordentlichen Mann,« keuchte er, indem er wieder in sich zusammensank, »für Hann.«
Aber ehe ich mich noch von meinem Erstaunen erholen und einwerfen konnte, ob Hann denn seit den vier Jahren, die ich ihn nicht gesehen, Landwirtschaft betriebe, streckte der Kutscher seine dürre Hand aus und zeigte auf die hohen Binsen am Fluß.
»Kuck,« machte er mich aufmerksam.
Hinter der grünen Wand, deren Silberfasern im Sonnenschein blitzten, hob sich ein Angelschacht, und nun knurrte und lachte der Alte wirklich in sich hinein und schüttelte sich und stieß mich in die Seite. »Maust all wieder Aale,« flüsterte er. »Aber sie kriegen ihn nich, weil er selbst ein Aal is. —« »Ho!« schrie er dazwischen und hieb nach den Stauden. »Soll mich doch wundern, was er diesmal für eine Ausred parat hat.«
Und wirklich, bei dem Lärm hinkte aus dem Gestrüpp eine merkwürdige Gestalt heraus. Die trug einen leinenen Beutel in der Hand, an den Füßen steckten ihr kolossale Filzschuhe, und über die schmucke Lotsenuniform ringelten sich unter der Tressenmütze lange, weiße Haarsträhnen herab, die dem Antlitz gewiß etwas Ehrwürdiges verliehen hätten, wenn es nicht gar so trinkrot und listig gewesen wäre.
Oll Kusemann war's, der mir sofort mit lautem Freudenruf die Hand heraufreichte, um dann wehmütig den Kopf zu schütteln.
»Kuck, Jünging, was aus mir hübschen jungen Mann geworden is. Die Jahren, die Jahren. Und das Reißen. Sieh, und die Pension, die sie mir ausgesetzt haben, is auch nich zum Fettwerden.«
»Aber Aale?« fragte lauernd der Kutscher, während er auf den Beutel zeigte, in dem es sich regte.