»Hüh!«
Da saßen wir nun in Hanns Wärterhäuschen, das so eng und winzig war, daß außer dem Brückenmann nur ich noch auf dem zweiten Holzstuhl Platz nehmen konnte.
Hinten durch das Guckfensterchen leuchtete wie ein grünes Feld mit weißen Blumen die See, während unter unseren Füßen leise der Fluß plätscherte.
Das klang so wohltuend, heimlich und gemütlich. Dazu noch die blauen Tabakswolken, die sich um oll Kusemann herumwiegten. Es war kein Wunder, daß ich mich heimisch fühlte.
»Ja,« sagte Hann, »so is es gekommen. Da is vor allen Dingen die Brücke, über die du wohl hauptsächlich was in Erfahrung bringen willst. (Er glaubte das wirklich.) Ja, sieh, an dem einen Pfeiler steht mit Kupferbuchstaben geschrieben: >Erbaut vom Konsul Hollander 1897.< Und das verhält sich wirklich so. Line hat es sich ausgedacht, und der Herr Konsul hat es ausgeführt. Und das hing so zusammen. Du mußt nämlich wissen, daß sie mir lange Zeit keine Ruhe ließ, ich hätte nich die richtige Beschäftigung für mich, für den Fischfang wäre ich viel zu langsam, ich ließ mir alle anderen zuvorkommen und noch viel so was ähnliches Gutes. Und eines Tags, als wir beide hier grade über die alte Notbrücke spazierten, an der ein Schiff lag, das wieder viel zu hoch fürs Passieren war, sieh, da hatte sie mit einmal den Einfall mit der Klappbrücke. Und sie beschrieb mir das alles, als ob der Bau schon hier stände. Ganz deutlich. Ja, ja,« setzte er stolz hinzu, »wenn sie so erzählt! — Und dann ging ein Drängen los, und ein Vorstellen, und ein Muteinreden, ich sollte gleich zu dem Konsul in die Stadt, um bei ihm wegen der Brücke vorstellig zu werden. Na, lange Zeit, kannst du dir wohl denken, hab' ich mich dagegen gewehrt; denn der Konsul war schon oft bei mir draußen gewesen, immer mit einem anderen Vorschlag; einmal wollt er mir einen kleinen Hochseekutter bauen, dann wieder eins ging es um vier neue Zesnerboote, aber immer kam es auf Unterstützung heraus, denn ihn mochte wohl das Geld drücken, das er damals von uns bekommen hatte. Aber diesmal setzte Line es durch. Sie hörte nämlich eines Tages auf zu lachen, und weil ich nun fürchtete, sie könnte am Ende wieder krank werden, ging ich richtig zu Hollander hin. Das war ein schwerer Gang,« fuhr Hann fort, während er sich den Schweiß abwischte, »aber kuck, der Konsul wurde ordentlich lustig über meinen Vorschlag, und vier Monate später, da saß ich schon als Pächter hier in dem Verschlag und nahm den Leuten das Geld ab.«
»Kesch — kesch,« warf oll Kusemann ein, wobei er mir bedeutsam zuzwinkerte und sich zugleich auf die Hosentaschen schlug, um mir das Einträgliche von Hanns Geschäft anzudeuten. »Wie sagt doch das schöne Sprichwort? >Ein kluges Weib, ein starkes Pferd — ein treuer Hund sind Goldes wert<.« —
»Ein kluges Weib?« wiederholte ich verblüfft. Mir wurde ganz wirr zu Sinn. »Ja, du sprichst immerfort von der Brücke, aber die Hauptsache erzählst du nicht, lebt denn Line noch in Moorluke?«
Hann nickte.
»Und — und — nimm mir's nicht übel, ihr seid doch nicht etwa — —«
»Nein, das nich,« wehrte Hann von sich ab und wurde blutrot.