Dieser Platz schien oll Kusemann für den närrischen Spaß, den er mit den Kindern treiben wollte, der rechte Ort. An dem Pfahl blieb er stehen.

»Kommt her,« flüsterte er darauf, und als die Kinder in der Schwärze neben ihm standen, legte er jedem von ihnen den Arm um die Schulter und beugte sein bärtiges Haupt zwischen die jungen Köpfe.

»Kommt her. — Ihr müßt ein Bündnis machen gegen Dietrich Siebenbrod. — Das ist klar. Aber das beste Bündnis zwischen einen Männlichen und eine Weibliche is die Verlobung. Ihr müßt euch also verloben. — Daß ihr noch 'n bischen jung seid, das is woll wahr, aber es braucht ja auch erst später die richtige, die ganz richtige Verlobung zu folgen. — Na also, was sagt ihr?«

Prachtvolle, glitzernde Sterne brachen hier und da durch den stillen Nebelhimmel hindurch, und in seinem Halbtraum vernahm Hann, daß oll Kusemann von neuem vor sich hinlachte, während er die beiden Kinder eng aneinander schob.

»Nu küßt euch,« befahl er.

Voller Angst küßten sich die Kinder.

Der Lotse pfiff durch die Zähne und sprang, wie er es bei freudigen Anlässen zu befolgen pflegte, hoch in die Luft.

»So,« schmunzelte er seelenvergnügt. »Nu seid ihr so weit. — Ich gratulier' euch. — Kommt, Kinnings, fix, fixing, damit ihr zu Haus nich Schläg kriegt. — Und wenn ihr Hochzeit macht, Lining, weißt was? — Dann schenk' ich dir ein goldenes Brokatkleid — ja — hm — natürlich — ein goldenes Brokatkleid und silberne Schuhe mit diamantne Schmetterlinge darauf. — Da drüben im Kloster, da liegt so was vergraben. Ich kenn' die Stell'. Ja, und Hann — na, du weißt doch, Jung, daß hier in unserem Bodden die alte Stadt Vineta untergesunken is. Pass' auf, für dich hol ich mal in 'ner besonderen Stund eine Molle voll alter Dukaten rauf. Ich hab neulich erst mit meinen Wasserfernrohr so was funkeln sehn. — Und nu adjüssing, Kinnings — hier is mein Haus und mein Alwining wartet all — und nu macht, daß ihr weiterkommt.«

Er verschwand.

Die beiden Kinder aber liefen Hand in Hand heim.