»Hörst du?« begann Frau Dörthe zu Line, während sie vielsagend die Achseln zuckte: »Da stirbt nu dein Vater. — Ja, so is es in der Welt. — Willst du noch'n Stück Eierkuchen, min Döchting?«
Line empfand noch Appetit. Sie hatte sich auf das wurmstichige braune Bollwerk gesetzt und schaukelte mit den nackten, weißen Beinchen zwischen Schiff und Holzwand nachlässig hin und her.
Für ein vierzehnjähriges Kind war sie auffällig zierlich und biegsam gewachsen.
Plötzlich hob sie das schwarze Haupt mit den merkwürdig blitzenden Augen und sagte bestimmt, auf das kleine Fenster des Lotsenhauses deutend: »Das is nich mein Vater.«
»Wer denn?« fragte Frau Dörthe gespannt, obwohl sie ganz gut wußte, daß die Kleine recht hatte.
»Das is man bloß mein Pflegevater,« antwortete Line kauend, »mein richtiger ist der Klabautermann.«
»Huch,« schrie die Schifferfrau entsetzt auf und schielte zu Malljohann empor, ob er das Kind auch ordentlich verstanden hätte. — »Huching — Jochen, hast gehört? — Lütting, oh, wer ist denn der Klabautermann?«
Der tapfere weibliche Kapitän war ordentlich scheu zurückgewichen.
»Der Klabautermann?«
»Je.« — Die Kleine schaukelte wieder ein bißchen mit den nackten Beinen, dann gab sie so fest zurück, wie sie etwa in der Schule eine Antwort deklamierte: »Je, der Klabautermann is ein Wasserzwerg.«