VII

Der Konsul Hollander war ein griesgrämiger Herr.

Wohl hatte er vier der schönsten Pferde im Stalle, doch pflegte er sie aus Trotz gegen sich und gegen seine Familienangehörigen selten zu benutzen. Jeder Luxus schien ihm etwas so Verabscheuungswürdiges, daß er sich von Zeit zu Zeit sogar seines schönen, lebenden Besitztums schämte.

Mußte er notgedrungen, so wie heute, den Bitten seines Töchterchens Dina, die so gar nicht in das stille, vereinsamte Kaufmannshaus paßte, nachgeben, wurde die altväterliche und bequeme Equipage zu einer Spazierfahrt einmal angespannt, thronte der alte, steifleinene Johann in seiner verschossenen Livree wirklich einmal vorn auf dem Bock, dann konnte man sicher sein, daß der Konsul brummig auf seinem Hintersitz hockte, den Stock mit dem englischen Knopf fest gegen das Kinn gepreßt, um ununterbrochen leise Zeichen der Unzufriedenheit vor sich hinzumurmeln.

Das klang ungefähr so: »Alle Krankheiten laufen sich die Tiere auf so einer verwünschten holprigen Chaussee. Diese ruckartige Bewegung ist dem Körper in hohem Grade unzuträglich. Überhaupt das ganze ein Frauenzimmervergnügen. Müssen sich zeigen — und das alles in den wichtigsten Geschäftsstunden.«

Und zu seiner Schwester, einer unverheirateten Dame, die wie ein gepudertes Bild aus der Rokokozeit breitröckig neben ihm thronte, pflegte er mit einer ironisch-höflichen Verbeugung und bittersüßem Lächeln hinzuzusetzen: »Habe ich dich getreten? Das tut mir leid, aber in diesem Kasten kann ich mir nicht anders helfen.«

Derartige Reden waren aber so bekannt, daß die beiden Damen sich nicht sonderlich darum kümmerten. Die Tante erklärte vielmehr ihrer Nichte Dina, die erst kürzlich aus der Schweizer Pension zurückgekehrt war, mit gutmütiger Regelmäßigkeit alle irgendwie hervortretenden landschaftlichen Schönheiten, ohne sich dadurch irgendwie stören zu lassen, daß sie dies bei ihren Ausfahrten jedesmal zu befolgen pflegte. Und das elegante Fräulein, das so blond, modern und vornehm aussah, nickte stets dazu und erwiderte immer: »Danke, danke.«

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