Ah, hier war doch Bläue, Frische, Abendsonnenschein.
Was kümmerte es ihn, daß auch die beiden Kleinen, Line und Hann, mit ihm zugleich aus der Tür traten? Als sie ihm nachriefen, rannte er nur umso schneller dahin.
Nein, nein, er mußte erst mit diesen törichten und doch quälenden Dingen, die er nur aus unreifen Büchern aufgelesen haben konnte, fertig werden.
»Bruno — nimm uns mit!«
Er hörte nicht.
So schlichen denn die beiden dem Voraufgegangenen nach, immer nach ihm ausspähend, doch beide von dem einen Ehrgeiz besessen, mit dem erwachsenen Bruder diesen letzten Abend noch gemeinsam verbringen zu dürfen.
Gegenüber von der gemütlichen Krugwirtschaft, aus der gerade Gesang von Studenten schallte, überschritt Bruno eine baufällige Brücke, die in das Nachbardorf hinüberleitete.
Und immer auf die fernen Türme der alten Hansestadt starrend, die im Abendflimmer wuchsen und sich verbreiterten, schritt er weiter. So war er in den uralten Wald gelangt, in jenen dunklen Götterhain, der seit grauen Zeiten ein Wahrzeichen der Gegend bildet.
Unter riesigen Eichen ragten hier Ruinen und zerstörte Kreuzgänge eines alten Zisterzienserklosters auf, und da hatte auch Bruno seinen Lieblingsplatz. Aus roter, zertrümmerter Mauer brach in halber Manneshöhe eine mächtige, verwitterte Grabplatte hervor. Gott allein wußte, welch weltfremder Abt hier bestattet liegen mochte. Die Schriftzüge der Tafel waren lange verwischt; nur unten sprang in groben Buchstaben ein Wort hervor: »Mors.«