Im gleichen Moment vernahmen alle auf dem Schiff so namenloses, tobendes Geheul aus dem Krankenzimmer herabschrillen, daß alle zusammenschreckten und verlegen auf die Planken sahen.
Als sie wieder aufblickten, lag Line lang auf dem harten Uferboden ausgestreckt, die Stirn auf kleinen Kieselsteinen, und wühlte mit den Fingern in Gras und Erde herum.
»Was machst du da?«
»Er soll nich sterben! — soll nich sterben,« raste die Kleine in wütendem Trotz und schleuderte allerlei Steine von sich. — »Wozu muß denn gerade er sterben? — Kann es nich Hann sein?«
Die Kapitänin sah wieder zu ihrem Gatten empor. Der aber hatte das Kinn auf die Harmonika gelehnt und schien nachzudenken.
»Lütting, du mußt zu dem lieben Gott bitten,« entschied die Frau endlich überzeugt und nickte dreimal sehr stark mit dem Kopf. »Das ist das einzigste Mittel.«
Aber bei Line verfing es nicht. Immer erregter schlug sie auf das Bollwerk und schluckte vor Wut und Tränen: »Das hab ich alles schon versucht. Aber es hat mir nichts genützt. Vielleicht weil ich gar nich sein richtiges Kind bin,« setzte sie hinzu, »wie die andern. Ich heiß ja auch nich Line. Ich heiß ja Aline. Und draußen auf dem Bodden, da haben sie mich gefunden.«
Damit erhob sie sich auf den nackten Knien und zeigte auf die graue Wasserfläche der See hinaus, als ob sie dort draußen etwas Schreckliches und Merkwürdiges zugleich erspähe.
Seltsam, wie sich dabei die Augen des Kindes veränderten. Etwas Wildes, Dunkelleuchtendes flackerte darin auf. Es war jetzt bereits klar, daß in diesem kleinen Wesen die Phantasie mächtig schaffe und wirke.
Unvermittelt fuhr sie empor.