»Malljohann,« schrie sie zu dem Fellbraunen hinauf: »Spiel wieder — ich will eins tanzen.«
»Was? Jochen, untersteh dich,« — rief Frau Dörthe fassungslos dagegen, »pfui, was für ein Gör — ihr Vater stirbt da oben, und dann will sie so was!«
»Doch, doch, wenn der liebe Gott mir nicht hilft, dann tanz ich,« schrie Line noch einmal und wirbelte bereits, wie zum Hohn, auf einem Fuße herum.
Und dann geschah etwas Unvorhergesehenes!
Malljohann ließ plötzlich mit aller Macht den unterbrochenen Walzer ausklingen. Die Glöcklein klirrten, die Pfeifen brausten, und die Kleine begann sich graziös und sicher herumzudrehen, bis ihr rotes Röckchen um die nackten Beine flatterte und die beiden Schifferjungen begehrlich zu ihr hinüberglotzten. Und immer, wenn sie sich zur Kapitänin wandte, streckte sie drollig die Zunge heraus.
»Jochen, willst du woll?« tobte diese noch einmal kirschbraun vor Zorn.
Aber der Mann auf dem Kajütendach winkte mit dem Kopf zu Line herüber, und aus dem sonst so schweigsamen Munde brach ein merkwürdiges Knastern: »Gurr — gurr — Klabautermann.«
Da erschrak Frau Dörthe und schwieg. Jetzt wußte sie es. Jochen hatte sich ebenfalls für den Seezwerg entschieden. Und Jochen war ein tiefer und gründlicher Geist.
Und mit heimlichem Schauder sah sie mit an, wie Line sich röter und immer röter tanzte, gerade unter dem Fenster des gequälten, hinsterbenden Lotsen, der von Zeit zu Zeit dazwischenheulte.