Ich bin also der Meinung, daß man einem Schertze seinen Beyfall nicht versagen könne, wenn er nur mehr als mittelmäßig glücklich ist. Doch ich muß nun weiter gehen, und eine jede der gegebenen Regeln genauer untersuchen.


§. 27.

Die erste Vollkommenheit eines glücklichen Schertzes entsteht, vermöge der ersten Regel [§. 25.] aus der Anzal der Dinge, die mit einander verglichen werden. Ich rede nicht von der Vollkommenheit und Stärcke eines schertzhaften Menschen, die man ihm zugestehen muß, wenn er geschickt ist oft und viel zu schertzen, mit allem was ihm vorkommt. Ein Mensch dessen Fertigkeit zu schertzen sich über unzälige Gegenstände erstreckt, hat ein sehr weites Feld, darin sich sein Witz und Scharfsinnigkeit würcksam beweißt, und man muß ihm einen grossen Reichthum an schertzhaften Einfällen zugestehen. Darin besteht aber nicht die Vollkommenheit, die ich hier meine. Diese Schönheit eines Schertzes muß in einem einzigen Schertze enthalten seyn. Der Schertz der dieselbe haben soll, muß uns sehr viele Dinge auf einmal vorstellen. Ich gebe zu, daß ein Schertz, der auch nur zwey Dinge mit einander vergleicht, im übrigen sehr feurig seyn könne. Man wird aber doch zugestehen müssen, daß ihm eine Schönheit fehlt, die nicht anders möglich ist, als durch die Menge der Gegenstände, die man in einem einzigen Schertze zusammen faßt. Zwey Schertze, die im übrigen gleich schön sind, deren einer nur zwey Dinge vergleicht, der andere aber mehrere, sind ohne Streit dergestalt von einander unterschieden, daß der letztere vor den erstern den Vorzug erhalten muß.


§. 28.

Ein Schertz bekommt durch die in dem vorhergehenden Absatze angemerckte Vollkommenheit, eine Schönheit, die eine ungemeine Belustigung zu verursachen vermögend ist. Nichts belustiget die Einbildungskraft stärcker, als die Verschiedenheit. Das Auge irret mit dem grösten Vergnügen in einer Gegend herum, von der es kein Ende erblickt, und welche durch eine unendliche Mannigfaltigkeit der Gegenstände ausgefüllt ist. Alles was groß und unendlich ist, erweckt in der Seele eine angenehme Empfindung. Es sey nun, daß unser Geist sich über seine eigene Stärcke, wodurch er vermögend ist so vieles auf einmal zu fassen, ergötzt. Oder, daß selbst eine jede Vorstellung eine Vollkommenheit ist, die die Seele fühlt, und welche durch die Vervielfältigung der Vorstellungen selbst vervielfältiget wird. Oder daß die Menge der Vorstellungen, die die Seele mit einemmal begreift, eine Uebereinstimmung des mannigfaltigen in der Seele selbst entsteht, welche sie fühlt, und woher, als aus einem Gefühl der Vollkommenheit, eine Lust entstehen muß. Dem sey wie ihm wolle, das mannigfaltige, und die Abwechselung in demselben, führt jederzeit etwas belustigendes mit sich.

Jucundum nihil est nisi quod reficit varietas.

Publ. mimogr.

Wenn also ein Schertz eine solche Mannigfaltigkeit in sich faßt, so muß er angenehm seyn. Und ich halte mich vor überzeugt, daß ein angenehmer Schertz besser sey, als ein unangenehmer. Jener erweckt ein lachen wodurch das Gemüth aufgeheitert wird, und wer lacht nicht gerne zu dem Ende? Und wer geht nicht gerne mit solchen Leuten um die auf eine so angenehme Art schertzen?