Nil ego contulerim iucundo sanus amico.
Hor. Satt. L. I. Sat. V.
§. 29.
Zu den Schertzen, welche diese erste Vollkommenheit haben, können diejenigen gerechnet werden, welche durch die Anführung eines Verses aus einem berühmten Poeten gemacht werden. Wenn die Wahl glücklich ist, so wird der Schertz ohnfehlbar gerathen. Man kan entweder die unveränderten Worte des Dichters behalten, oder dieselben etwas verändern. Wem nun der Dichter bekannt ist, dem wird durch die Anführung, auch nur einiger Worte, der Zusammenhang der gantzen Stelle ins Gemüth gebracht, woher man den Vers entlehnt hat. Und man wird mir ohne Beweiß zugestehen, daß dadurch der Einbildungskraft eine gantze Menge mannigfaltiger Dinge vorgestellt wird. Ich setze voraus, daß sonst keine nothwendige Eigenschaft eines Schertzes fehlt. Dieses Kunstgriffes wissen sich die Satyrenschreiber, mit grossen Vortheile, zu bedienen, und ich halte es daher für unnöthig Exempel anzuführen. Von gleicher Art sind die Sprüchwörter. Einige derselben beziehen sich nicht nur, vermöge ihres wesentlichen Inhalts, auf viele Dinge zugleich, sondern weil sie in unendlich vielen Fällen im gemeinen Leben gebraucht werden, so stellt uns die Einbildungskraft, so bald wir das Sprüchwort hören, unzälige solcher Fälle vor. Wenn man demnach schertzen will, und man führt zu dem Ende, ein bekanntes Sprüchwort an, das sich sonst zu den Umständen schickt, und die Sache lächerlich macht, so bekommt der Schertz eine Mannigfaltigkeit die angenehm seyn muß.
§. 30.
Diese Vollkommenheit der Schertze, von der ich bisher geredet habe, entsteht auch aus der Erzehlung einer gantzen Begebenheit. Man kan sie entweder selbst erdichten, oder aus der Geschichtskunde entlehnen. Das erste erfodert eine grosse Geschicklichkeit. Ich unterstehe mich nicht, Regeln davon zu geben, da es überdies mein Zweck nicht ist dergleichen vorzutragen. Ich mercke nur an, daß durch eine solche Erzehlung, ein Schertz diejenige Schönheit bekommt, von der ich jetzo rede. Eine Erzehlung faßt sehr vieles in sich, es kan demnach einem solchen Spasse an Mannigfaltigkeit nicht fehlen. Ein Exempel gibt mir des Herrn Liskov Satyre, auf den bekannten Philippi, in welcher er seinen Tod erzehlt. Entlehnt man die Erzehlung aus der Geschichtskunde, so kan es auf verschiedene Art geschehen. Man kan eine berühmte Person nennen, oder sonst eine berühmte Sache und Begebenheit. Man kan durch einen kurzen Ausspruch, eine bekante Sache ins Gedächtnis bringen, und dem Schertze diejenige Lebhaftigkeit geben, welche durch die Anzahl der verglichenen Dinge entsteht. Meine Leser werden nicht dencken, als wenn ich glaubte, daß die Verse, Sprüchwörter, und Erzehlungen, dem Schertze keine andere Schönheiten, als die Mannigfaltigkeit zu geben vermögend wären. Ich habe diese Quellen der Schertze nur deswegen angeführt, damit man überzeugt werde, daß meine erste Regel der Schönheit eines Schertzes, von der ich bisher geredet, gegründet sey.