Ein Schertz muß nothwendig abgeschmackt und frostig seyn, der von Vater auf Sohn fortgepflanzt worden. Man solte, bey manchen Spassen, womit sich verfrorne Köpfe breit machen, fast auf die Gedancken gerathen, daß es Familien-Spasse gebe; und daß man, wenn die dunckeln Zeiten diese wichtige Nachricht nicht entrissen hätten, den Ursprung mancher Schertze vor den Hunnen Kriege finden könnte. Es ist nichts natürlicher, als daß ein Sohn die Schertze seines spaßhaften Vaters bewundert und sich mercket. Kan man wohl anders dencken, als ein Vater werde sich über sein kluges Kind hertzlich freuen müssen, wenn es so gelehrig ist, und die Schertze seines Vaters wieder an Mann zu bringen weiß? Ich betrüge mich entweder, oder die mehresten Spasse, die man im gemeinen Leben hört, sind geerbte Spasse, nur daß sie, wie bey allen mündlichen Ueberliefferungen zu geschehen pflegt, denn und wenn eine kleine Veränderung auszustehen haben. Ein Schertz der scharfsinnigen Köpfen, und einem gereinigten Geschmacke gefallen soll, muß unsern Vätern unbekannt gewesen seyn. Man hat sich dabey nicht nach den Beyfall des grösten Hauffens zu richten. Ich weiß wohl, daß unter denselben ein verdorbener Geschmack herrscht, dem solche ererbte Schertze dennoch zu gefallen pflegen. Allein, das ist ein Beweis der abgeschmackten Beschaffenheit eines Spasses, wenn er einem frostigen Kopfe gefällt, und es bleibt wahr was Horatz gesagt:
Nec, si quid fricti ciceris probat & nucis emtor,
Aequis accipiunt animis, donantue corona.
§. 35.
Ein Schertz der feurig seyn soll, muß nicht zur Mode geworden seyn. Ein Mode Schertz ist viel zu bekannt, und alt, als daß er einiges Feur behalten solte. Man kan leicht dencken, was ein feuriger Witz vor Vergnügen finden wird, in den gewöhnlichen artigen Zusammenkünften, da sich ein jeder bemüht die Gesellschaft, mit spaßhaften Einfällen nach der Mode, zu unterhalten. Will man Exempel solcher abgeschmackten Schertze hören, so darf man nur mit einem kleinen Herrn umgehen. Ein kleiner Herre ist eine Archiv aller Dinge die zur Mode gehören. Sein Kopf start vor Menge der artigen Einfälle, welche im Schwange gehen. Er bringt mit inniger Zufriedenheit hundert lustige Einfälle vor, die tausend andere ebenfals sagen. Es müste jemand sehr wenigen Umgang haben, dem nicht hundert Schertze von solcher Art beyfallen solten. Doch kan ich mich nicht enthalten derjenigen zu erwehnen, die man durch eine Anspielung auf solche Dinge macht, die mir die Schamhaftigkeit zu nennen verbiethet. Ich will nicht sagen, daß diese abgeschmackten Zoten viel zu schmutzig sind, als daß sie einem ehrbaren Menschen solten anständig seyn. Ich sage nur, daß derjenige einen sehr armseeligen Witz blicken läßt, der mit Schertzen aufgezogen kommt die unter den Pöbel im Schwange gehen, und davon man Millionen ähnliche und gantz gleiche Schertze antrift. Muß das nicht ein allerliebster Umgang mit Frauenzimmer seyn, wo man seiner Schönen mit dergleichen witzigen Einfällen zu schmeicheln sucht? Die Kützelung, die durch einen solchen frostigen Schertz entsteht, rührt gewiß nicht aus dem sinnreichen desselben her, sondern aus dem Inhalte desselben, der allein im Stande ist, die Lebens Geister eines schmutzigen Gehirns, zu reitzen. Es sey also ferne, daß ich solche Mode Schertze billigen solte, sie gehören unter die Zahl derjenigen, die ein guter Geschmack für abgeschmackt hält. Doch was kan man wohl hoffen? Kan man wohl glauben, daß die Liebhaber dieser Schertze sich bessern werden, wenn man ihnen auch die Wahrheit noch so deutlich sagt? Ich zweiffele sehr daran. Sie wollen mit aller Gewalt spaßhafte Köpfe seyn, sie selbst können nicht schertzen, ist es wohl anders möglich, als daß sie zur Mode ihre Zuflucht nehmen? Uberdem finden solche frostige Köpfe jederzeit Bewunderer ihres Witzes:
vn sot trouve touiours un plus sot qui l’admire
Boileau.
So lange es demnach Leute gibt die ihrer Natur zum Possen schertzen wollen; So lange es Leute gibt, die einen Mode Schertz bewundern, so lange werden auch die Mode Schertze ihr altes Recht behaupten.