Ich will durch alle die bisherigen Regeln nicht fodern, daß der gantze Schertz von dem schertzenden erst müsse erfunden werden, ob ich gleich behaupte, daß das die schönsten Schertze dieser Art sind, welche der schertzende erschaffen hat, und das erstemal vorträgt. Man kan einen von andern gehörten Spaß vortragen, ja man kan seine eigene Spasse wieder aufwärmen, wenn nur etwas neues dabey vorkommt. Folglich muß wenigstens der schertzende mit Wahrheit behaupten können, daß er etwas an dem Schertze, den Augenblick erst, erfunden habe. Solche Schertze sind auch schön, ob gleich nicht in dem Grade, als die ganz neuen. Es kan hier eben so gehalten werden, als in den Wissenschaften. Man kan daselbst Wahrheiten von andern entlehnen, wenn man sie mit einiger Veränderung und Zusatz vorträgt, oder auch nur auf eine andere Art beweißt, und andere Folgen daraus herleitet, so kan man sich für den Erfinder einiger Theile dieser Wahrheit mit Recht ausgeben. Man kan daher andern ihre Spasse abborgen, ein kleiner Umstand, den wir hinzu oder wegthun, gibt uns ein Recht denselben eines theils für den unsrigen auszugeben. Wenn wir ihn auch nur in andern Umständen vortragen, und ihn so geschickt vorzubringen wissen, daß es natürlich zu seyn scheint, auf einen solchen schertzhaften Einfall zu kommen, so fehlts demselben doch nicht an aller Neuigkeit.


§. 42.

Ich habe zur dritten Schönheit der Schertze, die Verschiedenheit der Dinge, die man mit einander vergleicht, angenommen. [§. 28.] Wenn die Dinge gar nicht mercklich, oder doch in einem sehr geringen Grade verschieden sind, so verursacht die Entdeckung ihrer Ubereinstimmung, entweder gar keinen, oder doch einen sehr frostigen Spaß. Ich will nicht wieder sagen, daß ein solcher Spaß frostig sey, weil er von einem sehr matten Witze seinen Ursprung hat, denn das habe ich schon [§. 20.] angemerckt. Sondern ich habe noch andere Ursachen, warum ich behaupte, daß ein feuriger Schertz von Dingen, die in einem hohen Grade verschieden sind, müsse entlehnt werden. Ich werde unten darthun, daß wir lachen, wenn wir einen Wiederspruch in Kleinigkeiten gewahr werden. Soll nun der Spaß zum lachen reitzen, so muß er einen solchen Wiederspruch entdecken. Das wird gewiß nicht geschehen, wenn man Dinge, deren Uebereinstimmung groß, und augenscheinlich ist, mit einander vergleicht. Nimt man aber Dinge, die sehr verschieden sind, und deren Verschiedenheit offenbar, und in die Augen fält, und entdeckt in ihnen eine Uebereinstimmung, so scheint das ein Wiederspruch zu seyn, und wir erhalten unsern Zweck. Man kan hinzu thun, daß sonst der Spaß nicht neu und unerwartet genug seyn würde. Dinge die gar zu mercklich mit einander übereinkommen, sind sehr leicht zu vergleichen, ein jeder der sie betrachtet, kan mit einer geringen Aufmercksamkeit die Uebereinstimmung gewahr werden. Wird man jemanden also wohl viel neues sagen, wenn man sich die Mühe macht, ihm in solchen kleinen Entdeckungen zu helfen? Nein, Dinge worüber man glücklich schertzen will, müssen eine sehr unmerckliche Uebereinstimmung haben. Ihre Verschiedenheit muß so mercklich und groß seyn, daß sie dem Ansehen nach nichts mit einander gemein zu haben scheinen. Oder, wenn sie auch mit einander in manchen Stücken übereinkommen, so muß doch die Ubereinstimmung, die wir durch unsern Schertz in ihnen entdecken wollen, dergestalt beschaffen seyn, daß sie der Verschiedenheit derselben zu wiedersprechen scheint, und daß man daher Ursach zu glauben hat, daß keiner von unsern Zuhörern, ohne unsern Schertz, diese Entdeckung würde gemacht haben.


§. 43.

Wenn ein Schertz nicht die gemeldete Eigenschaft besitzt, so ist er ein so stumpfer Einfall, daß er für keine Geburth der Scharfsinnigkeit kan angesehen werden. Ein feuriger Schertz muß nicht nur durch den Witz gewürckt werden, sondern es muß auch darin eine grosse Scharfsinnigkeit hervorleuchten. Kan dieses wohl möglich seyn, wenn die verglichenen Dinge mit einander sehr übereinkommen? Nein, wenn ein Schertz nicht ein Schertz seyn soll,

quem praecepit

Rusticus, abnormis sapiens, crassaque Minerua.