Hor. Sat. L. II. Sat. II.
so muß man nicht, wenn man schertzen will, handgreifliche Uebereinstimmungen vorbringen. Ein feuriger Schertz muß so fein und scharfsinnig seyn, daß er von einem plumpen Kopfe nicht eingesehen werden kan. Das kan nicht anders erhalten werden, als wenn man den Schertz dergestalt einrichtet, daß derjenige, der ihn begreiffen will, erst vorläufig einen grossen Unterschied gewahr werden muß. Das gemeine Leben könnte mir hier wieder eine ansehnliche Menge solcher stumpfen Spasse an die Hand geben, wenn ich glaubte daß der Versuch, den Geschmack des Pöbels zu verbessern, einen mercklichen Nutzen haben könnte.
§. 44.
Zur Verschiedenheit der Dinge wird ihre Unähnlichkeit, die Verschiedenheit ihrer Beschaffenheiten, gerechnet. Soll demnach ein Schertz gerathen, so müssen die Dinge, womit man schertzet, eine augenscheinliche Unähnlichkeit haben, die so groß und mercklich ist, daß man keine Aehnlichkeit in ihnen gewahr wird, wenn man sie nicht mit der äussersten Aufmercksamkeit betrachtet. Wenn man die mercklichen und augenscheinlichen Aehnlichkeiten der Dinge entdeckt, so kan man zwar sagen, daß man eine gute Allegorie, oder andere witzige Vergleichungen, gemacht habe, aber ein Schertz kan eine solche Entdeckung nicht genennt werden. So wenig man darüber lachen würde, wenn ein Maler sein Bild dem Originale so ähnlich macht als möglich, so wenig wird man durch die Anzeige der offenbaren Aehnlichkeit zweyer Dinge zum lachen gereitzt werden. Der König in Franckreich, Ludewig der eilfte, gibt mir ein Exempel von einem Schertze, der diese Schönheit an sich hat. Man erzehlt daß er, da ihm die Nachricht überbracht worden, daß ein gewisser ungelehrter Mensch, einen sehr schönen Büchervorrath besitze, geantwortet habe: dieser Mensch sey wie ein bucklichter, der eine Last auf den Rücken trage, die er nicht sehen könne. Man wird ohne mein Erinnern mir zugestehen, daß ein ungelehrter Besitzer einer schönen Bibliothek, und ein ausgewachsener Mensch, zwey Dinge sind, deren Unähnlichkeit groß und handgreiflich genug ist.
§. 45.
Die andere Art der Verschiedenheit ist die Ungleichheit, die Verschiedenheit der Grösse. Ich bin überzeugt daß nichts lächerlicher und thörichter könne gedacht werden, als wenn sich kleine Dinge grossen gleichschätzen wollen. Die belachenswürdige Thorheit eitler und hochmüthiger Menschen, besteht ja eben darin, daß sie sich über sich selbst ausdehnen wollen, und dem Frosche in der Fabel ähnlich sind, der gerne so groß seyn wolte als ein Ochse. Meines Erachtens kan also kein Schertz stärcker zum lachen reitzen, als derjenige, welcher Dinge vergleicht, die der Grösse nach unendlich verschieden sind. Ich sage nicht, daß man die grossen Dinge denen kleinen gleich schätzen solle, das könnte nicht nur manchmal eine Frucht der Dumheit, Unwissenheit, Grobheit und Unverschämtheit seyn, sondern es würde auch in vielen Fällen nicht lächerlich seyn, weil alle grossen Dinge, der Wahrheit gemäß, den kleinen gleich sind, wenn man von ihnen dasjenige absondert, wodurch sie die kleinen übertreffen. Meinem Bedüncken nach, ist das eigentlich lächerlich, wenn man kleine Dinge denen grossen gleich schätzt. Das Grosse bleibt dabey in seinen Würden und Vorzuge, und man hütet sich vor den Verdacht der Leichtsinnigkeit. Der Wiederspruch ist dabey so mercklich, daß es nothwendig lächerlich seyn muß. Wird man nicht starck zum Lachen gereitzt wenn man beym Ausonius, Epigr. XCV. die Begebenheit des Faustulus ließt? Faustulus ritte auf einer Ameise. Da diese den Koller bekam, warf sie den unglückseeligen Faustulus herunter, schlug hinten aus, und versetzte ihm einen dergestalt tödtlichen Stoß, daß er in seiner Todesstunde nur noch zu seinem Troste sagen konnte: Er habe eben so einen schweren Fall gethan als Phaeton.
Faustulus insidens formicae, vt magno elephanto
Decidit, & terrae terga supina dedit.