Aus dem, was bisher gesagt worden, erhellet von selbst, warum manche Leute mit ihren spaßhaften Einfällen, einem zur Last werden. Es sind das alle diejenigen die einen gar zu lebhaften Witz besitzen, der von einer schlechten Beurtheilungskraft regiert wird. Der Mangel der Beurtheilungskraft erhält seinen Ursprung aus dem Mangel der Scharfsinnigkeit. Es ist also klar, daß solche spaßhafte Köpfe einen viel zu lebhaften Witz besitzen, mit Ausschliessung der Scharfsinnigkeit, als daß sie glücklich in Schertzen seyn sollen. Muß das nicht verdrießlich seyn, wenn man mit lauter Anspielungen, Allegorien, tropischen Redensarten, und dergleichen unterhalten wird, wenn man diese Dinge für artige Schertze halten soll? Ich rathe daher einem jedweden witzigen Kopfe, nicht gleich einen jeden sinnreichen Einfall für einen Schertz zu halten und auszugeben, sondern jederzeit zu bedencken, ob der Witz durch die nöthige Scharfsinnigkeit unterstützt worden. Wenn man diese Behutsamkeit verabsäumt, so kan es leicht geschehen, daß uns unser Witz ein Blendwerck vormacht, und wir dadurch genöthiget werden, Dinge in solchen Stücken zu vergleichen, worin sie doch von einander unterschieden werden. Ein solcher Irrthum macht unsern sinreichen Einfall abgeschmackt, und um so viel unwürdiger ein guter Schertz zu heissen.
§. 48.
Ich komme zur vierten Schönheit der Schertze [§. 25.] Ein feuriger Schertz, muß sehr viele und grosse Uebereinstimmungsstücke, der verglichenen Dinge, entdecken. Dadurch wird ausser der Stärcke des Witzes, die alsdenn in dem Schertze mercklich wird, eine Vollkommenheit in demselben hervorgebracht, welche in Verwunderung setzt, die Sache lächerlich macht, und ungemein belustiget. Wenn die Sachen, wie die vorhergehende Schönheit der Schertze erfodert, ungemein unterschieden sind, und doch eine vielfältige und grosse Uebereinstimmung unter ihnen entdeckt wird, so ist das so etwas unerwartetes, welches ein angenehmes Erstaunen und Verwunderung verursacht. Man bewundert ja alle diejenigen Dinge, die man als etwas ansieht, so man vorher gar nicht gedacht hat. Es scheint wiedersinnisch zu seyn, daß so sehr verschiedene Dinge, doch eine so grosse Uebereinstimmung haben, und das ist eine kräftige Reitzung zu lachen. Wolte man wohl zweiffeln, daß diese Verwunderung und dieses lachen etwas unangenehmes sey? Es kan nicht anders seyn, als daß aus dem Gewahrwerden dieser Uebereinstimmung, eine Belustigung entsteht, weil die Uebereinstimmung der Dinge überhaupt eine Schönheit und Vollkommenheit ist.
§. 49.
Wenn ich sage, daß ein Schertz viele und grosse Vergleichungsstücke entdecken müsse, so will ich nicht behaupten, daß man durch eine weitläuftige Erzehlung dieser Stücke, den Schertz vortragen solle. Nein, dadurch würde der Schertz frostig werden. Man kan auch mit wenigen Worten sehr viel sagen. Genug, wenn man es nur sagt. Man muß seinem Zuhörer nur ein weites Feld eröfnen, die Uebereinstimmungsstücke selbst zu errathen, man muß ihn aber auch selbst gleichsam, zu dieser Untersuchung, zwingen. Ich sage jetzt nichts weiter, als daß durch einen Schertz dem Zuhörer mit einem mal, eine sehr grosse und mannigfaltige Ubereinstimmung der verglichenen Dinge vorgestelt werden müsse. Unser Schertz muß ein sehr kurzer Inbegriff sehr vieler Vergleichungsstücke seyn. Er muß einem Abgrunde ähnlich seyn, in welchem man immer mehr erblickt, je länger man in denselben hinein sieht. Es versteht sich von selbst, daß es wahre Vergleichungsstücke seyn müssen. Ein Blendwerck des Witzes, wodurch uns eine Verschiedenheit als eine Ubereinstimmung vorgestelt wird, kan nur so lange eine ungegründete Lust verursachen, so lange wir in Verwirrung und Irrthum bleiben. So bald der Nebel und das Blendwerck verschwunden, schämen wir uns, daß wir über einen Gedancken gelacht haben, der ein Hirngespinst gewesen. Doch davon werde ich weiter reden wenn ich die Wahrheit der Schertze untersuchen werde.
§. 50.
Durch diese Eigenschaft bekommt ein Schertz eine Schönheit, die ihm nichts anders zu geben vermag. Ein Schertz, der diese Beschaffenheit hat, gefält uns, so oft wir uns dessen wieder erinnern. So oft wir ihn von neuen überdencken, erblicken wir mehrere Vergleichungsstücke. Dadurch entsteht nicht nur ein neues Vergnügen, sondern wir sind auch mit uns selbst zufrieden, weil wir überzeugt werden, daß wir einen Schertz gebilliget, und darüber gelacht haben, der es vollkommen werth gewesen. Wir freuen uns heimlich über unsern guten Geschmack, und sind versichert, daß wir uns, durch das belachen dieses Spasses, keiner flüchtigen Leichtsinnigkeit verdächtig gemacht haben. Mit einem Wort, ein Schertz der diese Eigenschaft besitzt, hat diejenige Schönheit die Ovidius, Epist. ex pont. L. III. ep. V. an einer andern Sache rühmt.