Cumque nihil, toties lecta, e dulcedine perdant.
Viribus illa suis, non nouitate placent.
Ich widerspreche mir nicht. Ich habe zwar erwiesen, daß ein alter Schertz mat und frostig werde, das ist aber meinem jetzigen Gedancken nicht zu wieder. Es ist gantz ein anders, wenn man einen Schertz, als einen Schertz, sich oft muß vorsagen lassen, und wenn man eines Schertzes, den man von andern nur einmal gehört hat, sich oft wieder erinnert. Ich rede auch hier von einer andern Art des Vergnügens, so von dem gantz unterschieden ist, so aus der Neuigkeit entsteht. Ja man füge hinzu, wie ich niemals behauptet, daß die Neuigkeit eines Scherzes die einzige Schönheit desselben sey, und noch weniger, daß alles Vergnügen über einen Spaß, gantz allein aus dem neuen desselben entstehe. Noch einmal, ein guter Schertz muß ein Thema seyn, darüber ein witziger Kopf, einen sehr langen allegorischen und Emblematischen Vortrag halten könnte.
§. 51.
Die Ubereinstimmungsstücke sind entweder Aehnlichkeiten, oder Gleichheiten, oder beydes zusammen. Ein glücklicher Spaß muß demnach, viele und grosse Aehnlichkeiten und Gleichheiten entdecken. Es ist wahr, die blosse Aehnlichkeit kan manchmal zureichen, allein ich glaube doch, daß die Gleichheiten und Proportionen derselben, erst dem Schertze die rechte Schönheit auf dieser Seite geben. Die Aehnlichkeiten fallen eher in die Augen, können leichter entdeckt werden, und es ist weniger Scharfsinnigkeit zu ihrer Entdeckung nöthig. Allein die Vergleichungen der Grössen erfodern mehr durchdringenden Verstand. Man muß die Grössen ausmessen, und sie mit einander vergleichen. Kan nun das unsere Seele gleichsam im Augenblicke verrichten, so beweißt sie dadurch ihre Stärcke in ausnehmenden Grade. Die Entdeckungen der Aehnlichkeiten können viel unrichtige Gedancken verursachen, wenn sie nicht durch eine genaue Beobachtung der Proportion in ihren gehörigen Schrancken erhalten werden. Alle einzelne Theile eines Gesichts können schön seyn, haben sie aber nicht die gehörige Proportion, so wolte ich nicht sagen, daß das Gesicht reitzend sey. Man kan sagen, daß die Proportion der Grundriß der Schönheit überhaupt sey. Kan wohl die Schönheit eine Schönheit seyn, wenn der Plan, nach welchen sie aufgeführt worden, nichts taugt? Ich sage also, daß ein Schertz abgeschmackt werden müsse, ob er gleich viele und grosse Aehnlichkeiten vorstelt, wenn in denselben gar keine Proportion ist. Doch wird niemals erfodert, daß die Proportion, die ich zu einem Schertze erfodere, nach der strengsten Mathematik richtig sey. Ein wenig mehr oder weniger, thut hier nichts zur Sache. Die Schertze sind ja ohne dem undeutliche Vorstellungen. Wenn nur die Proportion, dem Ansehen nach, beobachtet wird, so entsteht die Schönheit, von der ich rede. Ist doch in der Baukunst nicht einmal diese Strenge nöthig. Die Proportion kan fehlerhaft seyn, wenn der Fehler nur nicht in die Sinne fält.
§. 52.
Ich erachte es unnöthig zu seyn hier die Quellen anzuführen, woher diese Schönheit der Schertze entsteht. Sie sind viel zu bekannt, als daß ich meine Leser damit aufhalten solte. Alle Metaphern, Allegorien, und wie sie Namen haben mögen, sind die Gründe zu dieser Schönheit der Schertze, wenn sonst dabey kein Fehler begangen wird, der den Spaß frostig macht.