§. 53.
Da die Namen womit gewisse Dinge bezeichnet werden, und überhaupt die Worte, nicht als innere Bestimmungen der bezeichneten Sachen selbst anzusehen sind, so macht die Ubereinstimmung der Namen nicht die geringste Aehnlichkeit und Gleichheit der Sachen selbst aus. Es sind das demnach sehr frostige Schertze, welche auf der blossen Ubereinstimmung der Namen und der Worte, beruhen. Die Namen der Dinge sind viel zu weit, wenn ich so reden soll, von dem Rande der Dinge selbst entfernt, als daß sie auch nur die geringste Ubereinstimmung ausmachen könnten, die den Dingen selbst eigenthümlich zugehörten. Ein spaßhafter Kopf, der seine Schertze bloß in der Uebereinstimmung der Worte sucht, verräth einen Witz der viel zu mat ist, als daß er bis in die Sache selbst dringen solle. Die Sachen stehen weiter von seinem Gesichtspuncte weg, als ihre Namen, und er ist zu kurtzsichtig, er kan sie nicht erreichen. Nein, solche Spasse sind zu abgeschmackt, sie können nicht gebilliget werden. Sie können keinen anderm Witze gefallen, als der weniger Feuer besitzt, als zu einem feinem Geschmacke erfodert wird. Cicero, im andern Buche vom Redner, billiget diese Schertze überhaupt. Quintilian verwirft diese Wort-Schertze auch nicht gantz in seinen 6ten Buche, doch gibt er den Schertzen, die aus der Sache selbst genommen werden, einen grossen Vorzug.
§. 54.
Ich verwerffe in einem feurigen Schertze nicht alle Anspielungen und Aehnlichkeiten der Worte; sondern nur diejenigen Spasse, die in der blossen Aehnlichkeit der Worte bestehen. Man kan es daher leicht gewahr werden, ob ein Spaß diesen Fehler habe. Man darf ihn nur in anderen Worten ausdrucken, oder in eine fremde Sprache übersetzen, verliehrt er alsdenn alle sein Feur, so ist er gewiß abgeschmackt. Ein feuriger Spaß muß in allen möglichen Sprachen ein Schertz bleiben, obgleich nicht immer in einerley Grade. Man kan sagen, daß ein feuriger Spaß die Schönheit eines Gedichts haben müsse. Dasselbe muß ein Gedicht bleiben, man mag die Ordnung der Worte ändern, oder auch andere gleichgültige Worte an die Stelle der vorigen setzen,
Inuenias etiam disiecti membra poetae.
Hor. Sat. L. I. Sat. IIII.
Folglich muß ein Schertz, aus der Uebereinstimmung der Gedancken und Sachen selbst, hergenommen werden. Weil aber die Worte, womit man ähnliche Dinge ausdruckt, ungezwungen ähnlich seyn können, so würde es beym Schertzen ein unnöthiger Zwang seyn, den ich niemanden rathen wolte, wenn man die Uebereinstimmung der Worte mit Gewalt vermeiden wolte. Wenn sie nur nicht die Hauptsache beym spassen ist, und als eine ungezwungene Folge der Vergleichung der Begriffe anzusehen ist, so kan die Aehnlichkeit der Worte die Schönheit eines Schertzes wohl gar etwas vermehren, wenigstens in ein grösseres Licht setzen, indem sie die Einsicht des Spasses selbst erleichtert. Wenn man dem Cicero und Quintilian diese Meinung zuschreiben will, so kan man sie entschuldigen, daß sie die Wort-Schertze gebilliget haben.