§. 55.

Zu diesem Klapperwerck in Schertzen rechne ich alle Zweydeutigkeiten, Anspielungen auf Nahmen, Versetzungen der Buchstaben, Veränderungen derselben, Verstimmelungen und Verlängerungen der Namen, und wie diese Kindereyen alle heissen mögen. Des Cicero Jus verrinum ist ein zu oft gepeitschter Spaß, als daß ich nöthig hätte denselben zu tadeln. Man findet mehr dergleichen in eben diesem Schriftsteller, insonderheit in seinen Briefen, und in den Reden wieder den Verres. Ich rechne diese abgeschmackten Schertze mit zu den Mode-Spassen und Jedermans-Einfällen. Die kleinen Herrn wissen sich sonderlich derselben fleißig in den Umgange mit Frauenzimmer zu bedienen. In allen artigen Zusammenkünften nach der Mode, sind diese Läppereyen die gewöhnlichsten Belustigungen. Und man darf sich mit der Hofnung im geringsten nicht schmeicheln, daß diese Anzahl der Schertze mercklich werde verringert werden. Es verhält sich hier eben so wie in der Dichtkunst. Grosse Dichter mögen noch so sehr wider die Wortspiele, und andere Läppereyen in der Dichtkunst, eiffern, so finden sich doch immer schläfrige Köpfe genug, welche dem ohnerachtet die Musen durch Wortkrämereyen mißhandeln. So lange es noch Leute von pöbelhaften Geschmacke und frostigen Witze gibt, die doch gleichwohl spassen wollen, so lange werden auch die Wortschertze nicht aufhören. Ein matter und schläfriger Kopf hat ein viel zu grosses Vergnügen an solchen Wortspielen, als daß er sie für was elendes ansehen solte. Vor Armseligkeit seines Witzes, kan er nichts feiners und edlers schmecken, man würde ihm demnach alles Vergnügen dieser Art rauben, wenn man ihm untersagen wolte, mit blossen Worten zu spielen. Nein, ein leerer Kopf vergnügt sich selbst über diese seine Einfälle, er bewundert sich selbst, und er ist der Person völlig ähnlich die Boileau in folgenden Worten abschildert:

Un sot en ecrivant fait tout avec plaisir,

Il n’a point dans ses vers l’embarras de choisir,

Et toujours amoureux de ce qu’il vient d’ecrire,

Ravi d’etonnement en soi meme il s’admire.

Diese Unsinnigkeit im Schertzen ist manchmal nicht ohne alle Würckung, bey Leuten die etwas zu furchtsam und zärtlich zu seyn pflegen. Sie haben, ich weiß selbst nicht ob ich es so nennen soll, das Unglück einen Namen von ihren Vorfahren zu erben, der abgeschmackten Köpfen, einen unermeslichen Vorrath zu erbärmlichen Spassen, an die Hand gibt. Sie sind zu empfindlich ihr Erbgut ohne Veränderung zu behalten. Allein ist es wohl werth, einem Narren zu gefallen, die Genealogie zu verwirren? Daß diese letzte Anmerckung eine historische Wahrheit, zum Grunde habe, kan ich beweisen. Die Gemahlin des Wilhelm Bautru, Grafen von Serrant, der, unter andern, als ein aufgeweckter Kopf das XVII. Jahrhunderts, berühmt ist, wolte lieber Frau von Nogent, als von Bautrou heissen, weil sie sich nach der italienischen Aussprache dieses Namens, unzähligen Stichen, durch ein Wortspiel auf trou, ausgesetzt hatte.


§. 56.

Ich habe die fünfte Schönheit der Schertze [§. 25.] darin gesetzt, daß vor dem Schertze starcke Vorstellungen, von gantz anderer Art, müssen vorhergegangen seyn. Ich verstehe das nicht nur von dem schertzenden selbst, sondern auch von seinen Zuhörern. Der Schertzende und seine Zuhörer müssen, vor dem Spasse, einen sehr grossen Eindruck, von gantz andern Vorstellungen, gehabt haben, die mit dem Schertze, in so fern er ein Schertz ist, nichts gemein haben. Sie müssen ihre ganze Aufmercksamkeit, mit ganz andern Dingen beschäftiget haben, als daß sie den Schertz hätten vorhersehen sollen. Dadurch bekommt der Spaß ein Licht das in Verwunderung setzt. Der Schertz wird so neu und unerwartet seyn, daß man sagen kan, er könne sonst nicht recht neu seyn. Diese schleunige Veränderung der Scene in unsern Vorstellungen, macht eine so angenehme Verwandelung und Verwirrung, daß sie ohne Vergnügen und Bewunderung nicht geschehen kan. Der schertzende beweißt dadurch, wie leicht es ihm sey einen Schertz zu machen, und zeigt die Stärcke seines Witzes, die den Spaß selbst groß und feurig macht. Ich glaube, das sey der Grund, warum die Schertze, die ein Lehrer, mitten unter dem Vortrage der scharfsinnigsten Wahrheiten vorbringet, so angenehm sind; weil die Gemüther vorher mit viel zu ernsthaften Dingen beschäftiget gewesen, als daß sie hätten den Spaß vorhersehen können.