§. 80.
Man kan aus und mit Verdruß lachen, man kan aber auch aus Vergnügen lachen, und das Lachen kan unser Gemüth dergestalt aufheitern, daß dadurch alle bange Ernsthaftigkeit aus der Seele vertrieben wird. Man kan sagen, daß ein solches Lachen den Winden ähnlich sey, die die Wolcken zertheilen, vertreiben, und den Himmel aufheitern. Ein solches lachen ist eine so starcke Bewegung des Gemüths, die fähig ist, der Seele eine Munterkeit und aufgeräumtes Wesen zu geben, so der Betrübniß entgegengesetzt ist. Man wird mir ohne Schwierigkeit einräumen, daß die letzte Art des lachens diejenige sey, die durch einen Schertz muß gesucht werden. Der Schertz muß das Gemüth auf eine angenehme Art erschüttern, und die verwirrte Bewegung verursachen, die wir das Lachen nennen. Wenn man jemand zu einem verdrieslichen Lachen zwingt, so werden wir wenig Danck verdienen. Er wird sich wider uns rüsten, und alle seine Kräfte samlen uns zu widerstehen. Er wird unserm Schertze den Eingang verwehren, und wir werden ihm mit unsern Schertzen zur Last werden. Ueberdem müste es ein elender Spaß seyn, der wenig Schönheit haben würde, wenn er dem Zuhörer nicht zugleich vergnügen könnte. Es scheint überdies das Vergnügen eine nothwendige Verbindung mit dem Schertze zu haben, weil wir alsdenn am wenigsten zu schertzen im Stande sind, wenn wir nicht aufgeräumt, sondern mißvergnügt sind. Noch einmal, ein feuriger Schertz muß geschickt seyn, ein lachen zu verursachen, das von einem starcken sinlichen Vergnügen begleitet wird. Ich erinnere nur noch das einzige, daß ich nicht behaupte, als wenn ein Lachen möglich wäre mit welchem gar kein Vergnügen verbunden ist, ich behaupte nur, daß manchmal mit dem Lachen ein Verdruß verbunden seyn kan, der grösser und stärcker ist, als das Vergnügen so zugleich dabey angetroffen wird.
§. 81.
Man kan sagen, daß es eine schwere Untersuchung sey, den Ursprung des Lachens, nach allen seinen Stücken, auseinander zu setzen. Das Lachen ist eine so verworrene und, aus unendlich vielen andern, zusammengesetzte Veränderung, daß man Ursach zu zweiffeln hat, ob man dieselbe so deutlich erklären könne, als andere Veränderungen die bey uns vorgehen. Ich übergehe die Bewegung des Körpers, die mit dem Lachen verbunden ist. Ich will nur bestimmen, woher die Veränderung der Seele entsteht, wenn sie über etwas lächerliches lacht, denn das ist dasjenige lachen, so durch einen Schertz verursacht werden soll. Lächerlich sind alle Ungereimtheiten die man in Kleinigkeiten bemerckt. Das Lachen entsteht also aus der Beobachtung einer Ungereimtheit in Kleinigkeiten. Cicero sagt im andern Buche vom Redner: Locus autem & regio quasi ridiculi turpitudine & deformitate quadam continetur, haec enim ridentur vel sola, vel maxime, quae notant & designant turpitudinem aliquam non turpiter. Es wird leicht zu erweisen seyn, daß eine jede Häßlichkeit etwas ungereimtes oder wiedersprechendes enthalte, indem die Natur alsdenn von den Regeln der Vollkommenheit abweicht, worin ihre Maximen bestehen, wenn sie etwas häßliches in ihren Wercken hervorbringt. Cicero bemerckt an eben dem Orte, daß man weder über eine gar zu grosse Häßlichkeit noch Schandthat lache. Die erste bewegt zum Mitleiden, die andere zum Zorn und Abscheu. Folglich würde ein solches Lachen mit einem überwiegenden Verdrusse verbunden seyn. Man thue hinzu, daß man, wenn man grosse Dinge lächerlich macht, sein leichtsinniges Gemüth verräth, eine Beschaffenheit die abermals einem guten Geschmacke Verdruß erwecken muß. Ich habe demnach mit Grunde annehmen können, daß, wenn man andre mit Vergnügen zu lachen machen will, man in Kleinigkeiten eine Ungereimtheit oder Widerspruch entdecken müsse.
§. 82.
Wenn ein Schertz also kräftig zum Lachen reizen soll, so muß er einmal, von Kleinigkeiten handeln, es mögen nun sittliche Dinge seyn oder bloß natürliche. Man nennt sie Kleinigkeiten aus verschiedenen Gründen, die ich nicht nöthig habe anzuführen. Ich bemercke nur daß es Dinge seyn müssen, die weder an sich betrachtet, noch in Absicht auf ihre Folgen, von grosser Wichtigkeit sind. Die Ungereimtheit die man entdeckt, kan überhaupt die Abweichung einer Sache von ihren Regeln seyn. Diese Regeln mögen nun moralisch oder nicht moralisch seyn, genug, wenn die Sache nur als regelloß, widersinnisch und häßlich vorgestelt wird. Je mehr solcher Unrichtigkeiten entdeckt werden, desto lächerlicher wird die Sache. Ich thue nicht ein Wort mehr hinzu, weil ich schon mehr als einmal erinnert habe, daß ich keine Wissenschaft der Schertze schreibe. Genug, daß ich nunmehr die Gründe habe, woraus ich verschiedene Unvollkommenheiten bey den Schertzen entdecken kan.