§. 83.
Ein jeder feuriger Schertz ist werth, daß er mit lachen angehört wird. Man hüte sich aber daß man nicht alles, was lächerlich und belachens werth ist, für einen Schertz halte. Noch viel weniger kan alles das was ein lachen verursacht ein Schertz seyn. Non sunt omnia ridicula faceta. Cic. de Orat. L. II. In einem Schertze, wenn er feurig seyn soll, muß das formelle, die Vergleichung verschiedener Dinge, der sinreiche und scharfsinnige Gedancke, den Grund zum lachen enthalten. Liegt dieser Grund in etwas anders, so kan es entweder gar kein Schertz genennt werden, oder er muß überaus frostig seyn. Alle diejenigen lustigen Herrn, die einen armseeligen Witz besitzen, mögen sich also ja in acht nehmen, sich einzubilden, daß sie spaßhafte Köpfe sind, wenn sie keinen andern Grund dazu anzugeben wissen, als weil sie geschickt sind andere zum lachen zu bestimmen. Es gehört mehr zu einem schertzhaften Kopfe, als die Geschicklichkeit ein lachen zu verursachen, ob ich gleich derselben ihren völligen Werth lasse, der ihr in anderer Absicht zukommen kan.
§. 84.
Wenn eine Person, Sache, Begebenheit, Handlung, oder wie es Namen haben mag, an sich schon lächerlich ist, ohne daß wir nöthig haben einen sinreichen Einfall hinzuzuthun, so wird die blosse Erzählung und Vorstellung dieser Stücke schon ein Lachen verursachen. Man würde sich aber gewaltig irren, wenn man dergleichen Erzählungen für Schertze halten wolte, und die Person die sie vorträgt für einen schertzhaften Kopf. Es ist wahr, wenn die Materialien unseres Schertzes schon an sich lächerlich sind, so wird es uns leichter werden, damit zu schertzen, und unser Schertz kan dadurch feuriger werden. Allein wenn über weiter nichts, als über die Sachen gelacht wird, so ist ein lustigmacher zu eilfertig, sich deswegen für einen Meister in Schertzen zu halten. Das haben sich alle Liebhaber poßierlicher Historien zu mercken. Sie können sich in anderer Absicht die Gesellschaft verbindlich machen, wenn ihre Histörchen alle diejenige Artigkeit haben, die einen vernünftigen Menschen nicht verunzieren, wenn er sie erzählt oder belacht. Aber, daß sie deswegen für witzige und feurige Köpfe wollen gehalten seyn, ist eine Hofnung, die sie sich so lange müssen vergehen lassen, bis sie wichtigere Gründe dazu anzugeben wissen.
§. 85.
Ich weiß selbst nicht woher es kommt, daß manche Dinge, bey den meisten Leuten, ein ungemeines lachen verursachen, und wenn sie auch ohne allen Witz und Scharfsinnigkeit vorgetragen werden, die doch nicht lächerlich sind. Man nenne nur gewisse Dinge, bey denen schamhafte Gemüther roth werden, oder man nenne auch Dinge die zur Religion gehören, ich bin gut dafür, daß es unzählige Leute gibt die hertzlich darüber lachen werden, obgleich nicht das geringste spaßhafte dabey angetroffen wird. Der Grund dieses lachens liegt in der schmutzigen und leichtsinnigen Beschaffenheit des Zuhörers, und ich bin zufrieden angemerckt zu haben, daß dergleichen Zoten und Mißbrauch der Dinge, die mit der Religion eine Verwandschaft haben, wenn sie mit keinem sinreichen Einfalle begleitet werden, keine Schertze können genannt werden, und ob sie noch so hertzlich belacht würden. Oben habe ich gezeigt, daß man schandbare Zoten, und ob sie gleich mit Witz und Scharfsinnigkeit vorgetragen würden, demohnerachtet für frostige Spasse halten müsse. Und ich werde mich also nicht betrügen, wenn ich überhaupt sage, daß alle Unflätereyen, sie mögen Namen haben wie sie wollen, entweder gar keine Schertze, oder doch ein viel zu elender Stoff sind, als daß ein reinliches Gemüth sich die Mühe nehmen solte, sie zu durchwürcken, und einen Schertz daraus zu machen.