Ein Schertz muß nothwendig abgeschmackt seyn, der auf keine andere Art zum lachen reitzen kan, als wenn man den schertzenden ansieht, und auf seine Geberden dabey achtung gibt. Ein feuriger Schertz muß auch ein Schertz bleiben, wenn man den Urheber desselben auch nicht sehen solte, ob ich gleich nicht in Abrede seyn will, daß die Art des Vortrages ein vieles, zur Vermehrung der Schönheit eines Schertzes, beytragen könne. Dem sey wie ihm wolle. Ein Schertz der sonst gar kein Feuer hat, als wenn man das Bezeugen des schertzenden beym Vortrage desselben mit zu Hülfe nimt, ist ein sehr frostiger Schertz. Der schertzende macht sich alsdenn zu einen Narren und Harlekin. Man lacht nicht über seinen sinreichen Einfall, sondern über sein ungereimtes Betragen. Kurtz, Reden die nicht eher zum lachen bewegen, bis sie mit tausend närrischen Verzuckungen der Glieder des Körpers begleitet werden, sind Narrenspossen. Und man kan sagen, daß ihr Feuer nicht geistig, sondern bloß körperlich sey, weil sie alle ihre Lebhaftigkeit durch die Mißhandlungen des Körpers bekommen.
§. 87.
Man solte fast auf die Gedancken gerathen, daß die Natur bey der Bildung gewisser Menschen gespaßt habe. Man sagt von diesen Leuten, daß sie zu Narren geboren sind. Wenigstens scheints, daß die Natur bey ihnen nicht so regelmäßig verfahren sey, als sie ordentlicher Weise zu thun gewohnt ist. Tausend Kleinigkeiten befinden sich in der Gestalt, und gantzen Bildung solcher Leute, welche regelloß sind, und diese Leute so unglückseelig machen, daß man sie ohne lachen nicht ansehen kan. Diese verunglückten Wercke der Natur, dürfen nur den frostigsten Einfall vorbringen, so wird überlaut gelacht; und Leute von weniger Beurtheilungskraft glauben, daß denselben das schertzen überaus wohl anstehe. Ich darf diesen lächerlichen Irthum nicht wiederlegen. Es ist von selbst klar, daß man nicht über den Einfall, sondern über die Person lache. Und, meiner Einsicht nach, schicken sich solche Leute am allerwenigsten, schön und feurig zu schertzen. Ihre Einfälle können Schertze für die Augen, und nicht für die Ohren genennt werden.
§. 88.
Wenn die lächerliche Gestalt eines Menschen ein blosser Naturfehler ist, so verdient er Mitleiden und Vergebung. Wer aber seinen Körper durch Fleiß und Uebung zu einen poßirlichen Werckzeuge, andere Leute zu belustigen, macht, verdient ohnfehlbar die Verachtung vernünftiger Leute. Schertze, die mit ungereimten und ausserordentlichen Verzuckungen der Gesichtszüge, und unmenschlichen Verdrehungen der Theile desselben, vorgetragen werden, gehören auf die Schaubühne, und auch da hat man sie schon weg gepeitscht. Eine Rede, die mit einem Fratzen-Gesichte vorgetragen wird, ist ein Schertz der für einen groben und pöbelhaften Geschmack gehört. Es ist zu bedauren, daß manche witzige Köpfe auf diese Ausschweiffung gerathen. Sie würden sonst nicht gantz unglücklich im Schertzen seyn. Weil sie aber die Narrheit begehen, und sich befleißigen, ihre Gesichter dergestalt zu verzucken,
Possent vt iuuenes visere fervidi
Multo non sine risu
Dilapsam in cineres faciem