§. 94.

Der andere Fehler des Gesichts, der dem schertzenden nachtheilig ist, besteht darin, wenn er eine gar zu grosse Zufriedenheit über seinen Spaß mercken läßt. Man sieht es manchem spaßhaften Kopfe an den Augen an, daß er ein inniges Vergnügen über seinen Einfall empfindet, und seine Artigkeit gar zu lebhaft selbst fühlt. Die Augen funckeln ihm im Kopfe, und gehen von einem Zuhörer zu den andern fort, sie scheinen ein Verlangen nach dem Beyfalle der Zuhörer zu entdecken, und eine Verwunderung und Zorn an den Tag zu legen, im Fall der Beyfall der Zuhörer nicht so, und in eben der Stärcke, gleich erfolgt, als der schertzende sich würdig zu seyn glaubt. Ein solches Bezeugen verursacht eine kleine Rache bey den Zuhörern, die in Absicht auf den schertzenden grausam ist. Ein vernünftiger Mensch verachtet überhaupt alle Personen, die mit sich selbst gar zu sehr zufrieden sind. Er glaubt, daß sein Beyfall unnöthig sey, weil der scherzende, durch seine Zufriedenheit mit sich selbst, ihm zuvorgekommen. Er schließt nach einen Vorurtheil, so in den mehresten Fällen eintrift, daß ein Kind, welches von seinen Eltern affenmäßig geliebt wird, viele Fehler habe. Er wird aufmercksam gemacht, Fehler zu entdecken, die er sonst nicht würde sonderlich bemerckt haben; und man pflegt einem Menschen, der mit sich selbst gar zu sehr zufrieden ist, Fehler anzurechnen, die man bey andern wo nicht ganz übersehen, doch nicht so sehr ahnden würde. Ein Mensch der glücklich im Schertzen seyn, und Beyfall erlangen will, muß gegen seinen eigenen Einfall gleichgültig zu seyn scheinen. Er darf die Augen eben nicht niederschlagen und auf seinen Schertz fluchen. Allein er muß sich sehr in acht nehmen, kein gar zu lebhaftes Vergnügen, über seine eigene Schertze, von sich blicken zu lassen.


§. 95.

Ein Mensch der mitten in seinem Schertze lacht, und denselben mit lachen vorträgt handelt poßirlich. Er verliehrt die angenehme Ernsthaftigkeit, die einen Schertz so schön macht. Er wird durch das lachen gehindert, seinen Schertz geschwind und hurtig vorzutragen, und dadurch die Zuhörer unvermuthet zu überfallen. Ehe noch der Schertz völlig vorgetragen wird, mercken es schon die Zuhörer, daß ein Schertz vorgetragen werden soll; er kan ihnen also unmöglich gantz neu seyn, wenn sie ihn hernach in seinem Umfange und völligen Ausdehnung erkennen. Der Schertz bekommt dadurch alle Häßlichkeiten eines vorhergesehenen Spasses. Der schertzende kan dadurch gehindert werden, seinen Schertz ordentlich und verständlich vorzutragen, und er kan wohl gar in den kindischen Fehler fallen, daß er den Vortrag unterbrechen muß, und die läppische Entschuldigung hinzu thun, daß er es vor lachen nicht sagen könne. Ja man kan sagen, daß das lachen in manchen Gesellschaften eine Sympathetische Kraft habe. Es darf nur einer lachen, so lacht die gantze Gesellschaft, ohne zu wissen warum. Es ist also vermuthlich, daß, wenn der schertzende seinen Schertz mit lachen vorträgt, seine Zuhörer ihm Gesellschaft leisten werden, und sie haben nicht nöthig über den Schertz selbst hernach zu lachen. Es kommt einem überhaupt poßirlich vor, wenn man einen Menschen lachen sieht, und man weiß nicht warum. Der schertzende macht sich also selbst lächerlich, wenn er mitten im schertzen lacht. Soll der Schertz nicht frostig werden so muß der schertzende weder vorher, noch mitten im Schertze lachen.


§. 96.

Wenn man dem spaßhaften Kopfe ja erlauben will, über seinen Einfall zu lachen, so muß er es nicht eher thun als nachher, doch hüte er sich vor einer gar zu grossen Eilfertigkeit. Ist er der erste im lachen, so kommt mir dieses lachen vor, wie das plaudite bey einem Lustspiel. Man scheint die Zuhörer zum lachen aufzumuntern, man scheint zu befürchten, das lachen werde nicht erfolgen. Es ist überhaupt der nöthigen Ernsthaftigkeit beym schertzen zu wieder, und man erweckt den Verdacht, daß man selbst gar zu sehr für seinen Einfall eingenommen sey. Wenn aber der Schertz sehr feurig ist, und alles um uns herum lacht, so muß ein Mensch sehr viele Herrschaft über sich selbst besitzen, wenn er sich des lachens enthalten will. Ein lachen das alsdenn entsteht, kan als eine Schwachheits-Sünde entschuldiget werden. Ich nenne es eine Schwachheits-Sünde weil ich glaube, daß ein vollkommener Schertz eine freudige Ernsthaftigkeit vorher und nachher erfodert. Der schertzende beweißt die Stärcke seines Witzes auf eine ausnehmende Art, wenn er mitten unter vorhergehenden, begleitenden und nachfolgenden ernsthaften Gedancken schertzen kan. Und da wird er gewiß auch nachher nicht lachen. Der schertzende muß gleichsam im Vorbeygehen den Schertz anbringen. Er muß den Schein geben, daß es ihm selbst nicht viel darum zu thun sey, so beweißt er dadurch wie leicht es ihm sey, auf eine feurige Art zu schertzen. Ich will nicht einmal den Fehler berühren, wenn ein frostiger Kopf über seine eigene bejammernswürdige Einfälle lacht. Ich bin zweiffelhaft, ob ein solcher Mensch Mitleiden, oder Verachtung und Verspottung verdiene. Ein solcher alberner Possenreißer ist vernünftigen Leuten dergestalt entgegen gesetzt, daß er auch gantz verschiedenen Gemüthsbewegungen unterworffen ist,

Und wenn er selber lacht so möchten andre weinen.

Canitz.