§. 97.

Ich halte es nicht eben für einen der geringsten Fehler, wenn der schertzende eine gar zu ängstliche Furchtsamkeit, bey dem Vortrage des Spasses, von sich blicken läßt. Wenn der Schertz recht gelingen soll, so muß er mit einer anständigen Dreistigkeit, und Unerschrockenheit vorgetragen werden. Ich verstehe dadurch kein freches und unverschämtes Wesen, sondern eine kühne Munterkeit, welche aus dem Uebergewicht des bewustseyns, daß der Schertz werth sey vorgetragen zu werden, entsteht, und welche das Mittel ist zwischen einer zaghaften Blödigkeit und einer lermenden Tollkühnheit. Mancher Kopf hat sehr feurige Einfälle, allein so bald sie ihm auf die Zunge kommen, überfält ihn eine Bangigkeit, die ihn blaß macht, den Othem versetzt, und durch eine zitternde und unterbrochene Stimme die Angst seines Hertzens verräth. Solche Gemüther sind zu zärtlich und empfindlich, sie sind übertriebene Richter ihrer eigenen Gedancken, und haben eine zu schlechte Hofnung der guten Aufnahm ihres Schertzes. Sie verderben dadurch ihre Schertze, die im übrigen glücklich genug sind. Sie sind nicht im Stande, ihren Schertz munter genug vorzutragen, sie können den Zuhörer nicht unvermuthet genug überfallen, sie erwecken selbst eine Art der Angst in den Gemüthern der Zuhörer, welche nothwendig mit einiger Unlust den Schertz erwarten müssen, der so viele Geburtsschmertzen verursacht. Ja sie verrathen eine gewisse Schwäche ihres Witzes, die den Schertz selber matt machen muß. Ein hitziger Kopf hat viel zu feurige Einfälle, als daß sie ihm Zeit, zu ängstlichen Beurtheilungen, lassen solten. Er wird von seinen eigenen Einfällen so unvermuthet und plötzlich überfallen, und so nachdrücklich gerührt, daß er in eine Art der Verwirrung geräth, die ihm natürlicher Weise eine Kühnheit geben muß. Die Lebhaftigkeit und Stärcke seiner Schertze, breitet sich bis in seinen Körper aus, und geben ihm alles das Feuer, das zu einem unerschrockenen und dreisten Vortrage derselben nöthig ist. Kan man wohl diese Stärcke des Witzes, bey demjenigen annehmen, der mit Zittern und Zagen, und einer stotternden Stimme spaßt? Wer sich nicht getrauet, mit einem männlichen und unverzagten Muthe, zu schertzen, der überhebe sich gar dieser Mühe. Seine Furchtsamkeit kan ihn überdies manchmal in eine solche Verwirrung setzen, daß er nicht mehr weiß was er sagt, und er wird sich der Gefahr, ausgelacht zu werden, aussetzen.


§. 98.

Ich habe bisher die Schönheiten eines Schertzes ausgeführt, welche meinen Bedüncken nach nöthig sind, wenn er glücklich gerathen soll. Ich will nicht sagen, daß ich keine einzige übergangen hätte. Ich will auch nicht zum andern, oder gar zum dritten mal, sagen, daß ich nicht in den Gedancken stehe, als wenn ein jeder glücklicher Schertz, alle diese Schönheiten besitzen müsse. Sondern ich werde meine Erinnerungen die ich noch zu machen habe, in ein paar allgemeine Anmerckungen einschrencken. Zuerst gebe ich zu, daß es manche Schertze gibt, bey welchen unmöglich alle diese Schönheiten zusammen stat finden können. Es kan geschehen, daß bey gewissen Spassen, nach allen ihren Umständen betrachtet, einige dieser Schönheiten einander wiedersprechen. Daraus wird aber meines Erachtens nichts weiter folgen, als daß manche Schertze unmöglich den grösten Grad der Schönheit erreichen können, der bey einem Schertze, überhaupt betrachtet, möglich ist. Hernach ist mit leichter Mühe zu begreiffen, daß eine Schönheit eines Schertzes so groß, starck und einnehmend seyn könne, daß viele andere Fehler dadurch bedeckt werden. Was einem Schertze an der einen Schönheit abgeht, kan durch die andre ersetzt werden. Und es gibt Fehler der Schertze die mit leichter Mühe können versteckt werden. Ja, man kan sich in Gesellschaft befinden, da man hundert Fehler in Schertzen begehen kan, die die Gesellschaft nicht merckt.

Non quiuis videt immodulata poemata iudex.

Hor. art. poet.

Es gehört ein wenig Verschlagenheit und List dazu, wenn man in allen Gesellschaften, die aus keinen grossen Geistern bestehen, im spassen glücklich seyn will. Man kundschafte den Geschmack der Gesellschaft aus, man verstecke die Fehler seiner Schertze, so bin ich gut davor, daß man für einen schertzhaften Kopf wird gehalten werden. Nur hüte man sich vor der Eitelkeit, deswegen zu glauben, daß man auch vor dem Richterstuhle der gesunden Critik, eines guten Ausspruchs, bloß um dieser Ursach willen, sich zu getrösten habe.