§. 99.

Die Gründe der Beurtheilung eines Schertzes, die ich bisher ausgeführet habe, können innere Gründe genennet werden, weil sie in den Schönheiten bestehen, die einem glücklichen Schertze eigenthümlich zugehören. Es gibt aber auch äusserliche Gründe, die überhaupt aus dem Urtheile anderer von unsern Schertzen hergenommen werden, und aus dem Eindrucke den unser Schertz in den Gemüthern unserer Zuhörer macht. Doch ist dabey viel Behutsamkeit nöthig. Ich will erst untersuchen, ob man einen Schertz für feurig zu halten Ursache habe, wenn er von andern gelobt, belacht, und gebilliget wird. Es würde ein übereiltes Urtheil seyn, wenn man diese Frage schlechterdings bejahen wolte. Unser Zuhörer, dem wir den Schertz vortragen, kan aus grosser Höflichkeit und Freundschaft unsere frostigsten Schertze loben und belachen, weil er uns einen Gefallen dadurch zu erweisen glaubt. Hat man also nicht nöthig der Warnung des Horatz Gehör zu geben?

Nunquam te fallant animi sub vulpe latentes.

Art. poet.

Oder er kan uns wohl gar so viel Ehrfurcht und Unterwürfigkeit von Rechts wegen schuldig seyn, daß es ein unbesonnenes Verbrechen seyn würde, wenn er sich nicht verstellen wolte. Oder er kan ein Gnatho seyn, welcher denckt:

Est genus hominum, qui esse primos se omnium rerum volunt,

Nec sunt. Hos consector. Hisce ego non paro me vt rideant,

Sed eis vltro arrideo, & eorum ingenia admiror simul.

Quicquid dicunt laudo, id rursum si negant, laudo id quoque,

Negat quis, nego; ait, aio; postremo imperaui egomet mihi