7) Mittelalterliches Hausbuch. Bilderhandschrift des 15. Jahrhunderts mit vollständigem Text und facsimilirten Abbildungen. Herausgegeben vom Germanischen Museum. Leipzig. F. A. Brockhaus. 1866. Fol.

8) Kulturgeschichtliche Briefe (über ein mittelalterliches Hausbuch des 15. Jahrh. aus der fürstlich Waldburg-Wolfegg’schen Sammlung) nebst Anhang (Auszug aus Grünenberg’s Wappenbuche) von R. v. Retberg, Ehrenmitgliede der histor. Vereine von Ober- und Niederbayern u. s. w. Leipzig, Verlag von Rudolph Weigel. 1865. 8. 340 Stn.

Die merkwürdige Bilderhandschrift, auf welche die beiden oben genannten, unabhängig neben einander stehenden Veröffentlichungen sich beziehen, war bereits im J. 1854 vom Oberstudienrath Haſsler zu Ulm der öffentlichen Aufmerksamkeit zugeführt und fand seitdem wiederholte, zum Theil so eingehende Besprechungen (s. u. a. Naumanns Archiv VI, L. 1), daſs wir bei einem groſsen Theile des gelehrten Publikums Bekanntschaft mit derselben voraussetzen können. Für Leser, welchen jene Mittheilungen entgangen sein sollten, lassen wir eine kurze Beschreibung folgen. Das Original der Handschrift, nach dem darin wiederholt vorkommenden Wappen zu schlieſsen, ursprünglich im Besitz der Familie Goldast zu Konstanz, gegenwärtig des Fürsten Friedrich von Waldburg-Wolfegg-Waldsee befindlich, gehört der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts an und besteht aus 66 Pergamentblättern in Fol., auf welchen 59 Seiten mit Bildern, 43 mit Schrift versehen, die übrigen, ohne Zweifel für weitere gelegentliche Ausführung, leer gelassen sind. Der Inhalt besteht, wie von Retberg ihn charakterisiert, aus allerlei Gegenständen, wie sie dem Besitzer eines Hauses oder auch namentlich einer Burg wichtig oder ergötzlich scheinen mochten, woher auch das Buch, dem selbst der Titel fehlt, in der angeführten Weise gewiſs am passendsten benannt worden ist. Wir haben da Bemerkungen zur Gedächtniſskunst, Haus- und Heilmittel, Beiträge zum Münz-, Berg- und Hüttenwesen, eine Büchsenmeisterei u. a. Weit wichtiger aber als der Text sind die davon zum Theil ganz unabhängigen Abbildungen, welche, zwar von ungleichen Händen herrührend, doch der Mehrzahl nach nicht nur von trefflicher Künstlerschaft zeugen, sondern namentlich, was das Buch zu einer wahren Fundgrube der Wissenschaft macht, von den verschiedensten, in jener Zeit sonst kaum zur Darstellung gelangten Gebieten des Lebens mannigfaltige Bilder in unmittelbarster Naturwahrheit und mit sprechendstem Humor vor die Anschauung führen. Insbesondere ist es eine Reihenfolge der Planeten, welche zur Bezeichnung des je von ihnen auf das Thun und Leiden der Menschen ausgeübten Einflusses ein buntes Gemenge von Scenen in sinniger Zusammenstellung unter sich vereinigen. In mittelalterliche Tracht und Waffen gekleidet, sehen wir die heidnischen Repräsentanten derselben, von den Thierkreiszeichen begleitet, hoch zu Roſs über den von ihnen beherrschten Theil der lebendigen Welt dahinziehen. So entfaltet sich unter dem Planeten Saturn das alte Gerichtswesen in verschiedenen Stadien seines Verlaufes und Grades, von dem in einen Block geschlossenen Diebe bis zu dem in Begleitung von Richter und Henker zum Galgen geführten Verbrecher, woran das Leben der armen und unehrlichen Leute, von der blinden, am Krückstock einherschleichenden Bettlerin bis zum mühsam arbeitenden Landmann und dem Abdecker, in innerlichem Zusammenhange sich schlieſst. Der als Junker gekleidete Jupiter beherrscht die glänzendere Seite der bürgerlichen Gesellschaft, in welcher zwar der arme Bauer dem Wucherer gegenüber noch vor Gericht geschleppt wird, doch auch der Gelehrte ein ruhiges Plätzchen zum Studium und der endlichen besseren Austheilung der gemeinsamen Rechte findet, während drauſsen mit Jagd, Falkenbeize und Bolzenschieſsen sich einstweilen diejenigen vergnügen, die in glücklichem Besitze sind. Mars verbreitet unter sich Scenen des Schreckens und der Noth. Raubritter überfallen ein Dorf, brennen und plündern; Diebe bestehlen den Wechsler, ein Mörder tödtet sogar den Pilger. Der Sonnengott eröffnet mit seinem erwärmenden Strahle das Leben von innen und nach auſsen. Wie Früchte des Herzens, füllen Gebete der Andächtigen die offenstehende Kapelle, flieſsen Almosen in die Hand des Bettlers. Musik erhöht in unmittelbarer Nachbarschaft den Genuſs der Tafelfreuden und den Verkehr liebender Paare. Ringer und Wettkämpfer mancherlei Art be leben im Mittelgrunde das offene Feld, während die Stadt mit ihren beengenden Mauern und Thürmen hinter den Hügeln der Ferne zurücktritt. Das Liebeleben, von neuem mit Spiel, Musik und Schmauserei verbunden, entfaltet sich unter dem Banner der Venus in allen Arten und Graden seines Genusses. Unter Merkur, dem Beschützer von Kunst und Gewerbe, sehen wir einen Maler vor der Staffelei, einen Orgelbauer mit dem Stimmen seines Instrumentes beschäftigt, einen Uhrmacher, der die Polhöhe sucht, einen Schulmeister, der eben die Verantwortung seines Berufes executierend zur Würde des Richteramts erhebt; ferner im Vordergrund einen bildschnitzenden Gesellen, der eine Figur der Eva auf den Block gespannt hat, während neben ihm das meisterliche Ehepaar an reichbedeckter Tafel die Früchte des Fleiſses genieſst; einen alten Goldschmied, der unter gewaltiger Brille einen Becher zur Vollendung führt, während seine bejahrte Ehehälfte neben ihm in beſster Eintracht den Blasbalg zieht. Luna vereinigt unter ihrem Scheine, was des reellen oder ideellen Zwielichtes sich freut: Gaukler und Quacksalber, Vogelfänger, Fischer und Jäger, Badende, bewaffnete Boten u. s. w. Auſserdem haben wir, und zwar meistens in Darstellungen von doppelter oder vierfacher Blattgröſse, unabhängige Kriegs- und Jagdbilder, Beschäftigungen und Vergnügungen des Landlebens, Gegenstände aus dem Bereiche der Gewerke, der Belagerungskunst u. s. w. — Wie aus gemachten Anfängen ersichtlich, waren die Abbildungen, frei und leicht mit der Feder hingeworfene Skizzen, ursprünglich für die Ausmalung bestimmt, zu deren Durchführung es jedoch glücklicher Weise nicht gekommen ist; denn ohne Zweifel würde durch sie gerade der feinste Geist des Künstlers verdeckt worden sein, der uns nicht nur verräth, unter welchen Formen, sondern auch in welchem Sinne, mit welchen geheimen Prozessen des Bewuſstseins sich die Entwicklung jener wichtigen Uebergangsperiode vollzog. — Welche Wichtigkeit dieses Werk für die Geschichte der Trachten, der Sitten, Gebräuche und aller anderen Beziehungen haben muſs, die man gewöhnlich unter dem Begriff der Kulturgeschichte vereinigt, darf nur angedeutet werden. Zugleich hat dasselbe aber auch für die Kunstgeschichte Interesse, indem mit groſser Wahrscheinlichkeit dargethan ist, daſs die Mehrzahl der Zeichnungen von dem bedeutenden schwäbischen Maler Bartholomäus Zeitblom herrührt und, indem sie ergänzend zu den Kupferstichen desselben hinzutreten, ihn von einer bisher nicht in Betracht gezogenen Seite darstellen. — Das germanische Museum hat sich begnügt, die Handschrift in möglichst treuer Nachbildung wiederzugeben; die Zeichnungen in Kupferstich, und zwar, soweit sie künstlerischen Werth besitzen, in originalgroſsen Facsimiles, soweit das nicht der Fall, wie bei den dargestellten Maschinen, Kriegswerkzeugen u. s. w., in genauen Verkleinerungen. Der in alterthümlicher Schrift und unter Einhaltung der Seitenzahl abgedruckte Text ist mit einem erklärenden Glossar versehen. Für die bildlichen Darstellungen tritt das zweite Werk ergänzend hinzu, welches dieses mit einer fortlaufenden Beschreibung versieht und davon ausgehend die kulturgeschichtlichen Verhältnisse der in Rede stehenden Zeit einer allgemeineren Betrachtung unterwirft.

Aufsätze in Zeitschriften.

The Art-Journal: Nr. L, S. 46 ff. Ancient brooches and dress fastenings. In three chapters. With illustrations by the author.

(F. W. Fairholt.) — S. 57. Glass: its manufacture and examples. Part II. Saxon, arabic, persian, and early venetian glass. (William Chaffers.)

Ausland: Nr. 6. Die Urbevölkerung der britischen Inseln. — Nr. 10. Ein ortskundlicher Streifzug durch die Urkantone der Schweiz.

Biene: Nr. 6 ff. Die Buchdruckerkunst in ihrer welthistorischen Bedeutung von den Tagen der Erfindung bis zur Gegenwart. In kurzen Umrissen geschildert.

Das illustr. Buch der Welt: Nr. 5. Bilder aus dem deutschen Mittelalter. 12. Der deutsche Ritter. (Thaddäus Lau.)

Chilianeum: Nr. 3. 4. Kleine Beiträge zur Culturgeschichte der Grafschaft Wertheim. (Dr. Alex. Kaufmann.)