Wissenschaftliche Mittheilungen.

Die Krönungsinsignien des Mittelalters.

Nach Dr. F. Bock’s Werk: Die Kleinodien des heil. röm. Reiches deutscher Nation und ihre formverwandten Parallelen

von A. Essenwein.

(Schluſs.)

II.

Betrachten wir nun die Kleinodienstücke selbst, die zum kaiserlichen Ornate gehörten, so sind es sowohl stoffliche, als metallische. Wir fassen zuerst die stofflichen ins Auge, nämlich die Tunica, Alba und Pluviale, denen sich das Humerale, die Strümpfe, Schuhe und Handschuhe anschlieſsen. Das Humerale ist verloren gegangen; von Schuhen und Handschuhen, die früher in mehrfacher Zahl vorhanden waren, findet sich nur noch je ein Paar. An diese Stücke schlieſsen sich noch die Stola und mehrere Cingula. Bekanntlich schreibt die Volksüberlieferung den Ursprung der Gewänder, sowie der metallischen Kleinodien dem Wiedererwecker des römischen Kaiserthums, Karl d. Gr. zu. Die vorhandenen Gewandstücke entstammen jedoch dem Kunstfleiſse der Araber in Sicilien, wo sie am Schlusse des 12. Jahrhunderts angefertigt wurden und ursprünglich nicht die Bestimmung hatten, für das deutsche Reich zu dienen.

Die tunica talaris ist ein Gewand von dunkelviolettem Seidenstoff, dem dunkelsten Ton des Purpurs, der zugleich der kostbarste und theuerste war. Am unteren Rande ist er mit rothem Zendal besetzt und darauf ein goldenes Ornament gestickt. Ebenso am Rande der vorn enganschlieſsenden Aermel, wo die Stickerei mit Perlen besetzt ist und ein Rand kleiner Emailplättchen den Aermel umsäumt.

Der Schnitt ist derart, daſs das Gewand um die Taille verhältniſsmäſsig eng ist, von da aber nach unten sich schräg bedeutend erweitert. Eine einfache Goldborte umgibt den engen Halsausschnitt.

Die Alba besteht aus einem glatten, schweren, weiſsen Seidenstoff, der etwa im 16. Jahrhundert auf den älteren, gleichfalls weiſsen, ungemusterten, glatten Seidenstoff aufgenäht wurde. Sie ist am unteren Rande mit einem breiten Saume von lichtviolettem Purpur versehen, der in 3 Reihen über einander sich stets wiederholend, je 2 einander zugewendete Greife zeigt. Maurische und lateinische Inschrift desselben Inhaltes sagen, daſs Wilhelm II. von Sicilien im Jahre 1181 die Gewänder in Palermo hat anfertigen lassen.