Fußnote:[A] Bildnisse österreichischer Herzoge des 14. Jahrhunderts und ihrer Gemahlinnen, zum ersten Male herausgegeben von Ernst Birk, S. 95 ff.
Der Niemand.
Eine der ältesten lustigen Figuren unserer Vorzeit, und wahrscheinlich eine Tradition des vorchristlichen Alterthums, ist der Niemand, dem man Alles in die Schuhe schiebt, der alle häuslichen Fatalitäten angerichtet haben, an jedem persönlichen Miſsgeschick schuld sein soll. Diesem armen Helden widerfuhr von jeher die Ehre, in Reim und Versen, nie in Prosa, verherrlicht zu werden, und seine Groſsthaten wurden nicht blos dem gröſseren Publikum, sondern auch der kleinen Familienwelt nach Gebühr in Holzschnitt wie in Kupferstich vorgezeichnet. Schon um das Jahr 1510 dichtete ein gewisser Jörg Schan, Scherer zu Straſsburg:
Niemanis hais ich, was iederman tut das zucht man mich
ein groſses Folioblatt mit coloriertem Holzschnitt und 130 dreispaltigen Verszeilen, an deren Schlusse genannt ist: „Albrecht buchdrucker zu Memmingen“, einer unserer ältesten deutschen Buchdrucker und der erste in Memmingen, Albrecht Kunne von Duderstadt. Der Anfang dieses in der Münchener Hof- und Staatsbibliothek befindlichen seltenen, wahrscheinlich einzigen Blattes lautet:
Menger redt vonn mir Vnnd gesach mich doch nie
Er besech mich recht yetz stand ich hie
Ich bin der, den man Niemants nennet
Das huſsgesind mich wol erkennet
Wann mit mir beschierment sy sich.