Toll, Artilleriemajor a. D.

Albertus mit dem Zopfe auf einem Glasgemälde zu St. Erhard in der Breitenau in Steiermark.

(Mit einer Abbildung.)

Albertus III. von Oesterreich (reg. 1365–1395) trägt den Beinamen „mit dem Zopfe“. Diesen Beinamen verdankt er dem Umstande, daſs er eine ritterliche Gesellschaft (Orden) vom Zopf gestiftet hatte. Die eigentliche Bedeutung dieses Zopfes wird verschiedenartig angegeben. Nach einer Version soll eine schöne Dame sich ihren Zopf, oder wol einen Theil ihres Haares abgeschnitten und ihm gegeben haben; nach einer andern Version soll er selbst sich sein Haar zu einem Zopfe wachsen lassen und geflochten haben; nach einer dritten Version soll er seiner Gemahlin, als er aus dem gelobten Lande heimkam und sie im Bade antraf, ehe sie sich dessen versehen, den Zopf abgeschnitten haben.

Albertus mit dem Zopfe.
Z. A. f. K. d. d. V. 1866. Nº 5.
Druck v. A. Leykam s Erben in Graz.

Albert vermählte sich 1366 mit Elisabeth, Tochter Kaiser Karl’s IV., die 1373 ohne Kinder starb; er vermählte sich daher 1375 mit Beatrix, Tochter des Burggrafen von Nürnberg. 1377 unternahm der Herzog eine Preuſsenfahrt, wo er sich die Ritterwürde erwarb. Mit diesem Zuge und dem erhaltenen Ritterschlage dürfte die Stiftung der Zopfgesellschaft in einigem Zusammenhange stehen. Die Satzungen dieser Gesellschaft sind unsers Wissens bis jetzt nicht bekannt geworden. Die älteste Kunde davon scheint Georg von Ehingen gegeben zu haben, der erzählt, daſs sein 1407 gestorbener Groſsvater Burkhard von Ehingen dieser Gesellschaft angehört und sie nach Schwaben gebracht habe; daher er Burkhard mit dem Zopfe hieſs. Andere ältere Quellen sind nicht bekannt; doch befinden sich in einem Codex der k. k. Hofbibliothek zu Wien (des Rationale divinorum officiorum des Durandus), den der Herzog schreiben und illuminieren lieſs, zwei Porträte des Herzogs, auf denen er mit einem um den Hals gewundenen Zopfe erscheint. Birk, der diesen Codex und speziell die Bildnisse in dem I. Bande der Berichte und Mittheilungen des Alterthumsvereins[A] zu Wien beschrieben hat, glaubt daher, daſs die später vorhandenen Bildnisse, auf denen er mit einem und mit zwei Zöpfen im Nacken erscheint, nur auf den Namen hin entstanden seien. Es ist daher von hohem Interesse für die Geschichte der habsburgischen Regentenfamilie, daſs sich noch ein gleichzeitiges Denkmal erhalten hat, auf dem der Herzog in anderer Weise dargestellt ist. Es befindet sich nämlich in der Kirche St. Erhard in der Breitenau in Steiermark eine Serie von Glasgemälden des 14. Jahrh. in einem Fenster, das ganz vom Hochaltar bedeckt und so den Blicken vollständig entzogen ist.

Durch den ehemaligen Landesarchäologen von Steiermark, Herrn Carl Haas, auf dieses Fenster aufmerksam gemacht, hat Verfasser die sämmtlichen Darstellungen desselben durchgepaust, um sie einem Werke über mittelalterliche Glasgemälde einzuverleiben. Nachdem schon einige Blätter lithographiert sind, und somit das Werk selbst bald an die Oeffentlichkeit treten wird, so sei hier des Fensters nicht weiter erwähnt und nur mitgetheilt, daſs sich auf dem untersten Felde rechts der Herzog als Donator mit seinen beiden Gemahlinnen hat abbilden lassen. Diese Darstellung, die wir beifolgend in 1/3 der Naturgröſse nachgebildet haben, zeigt den Herzog knieend, hinter ihm die beiden Gemahlinnen, gleichfalls knieend. Der Herzog erscheint mit dem Panzerhemde bekleidet, das an den Beinen sichtbar wird; darüber erscheint eine Rüstung, die wir wohl bereits als eine eiserne betrachten dürfen. Der Lendner hat eine etwas abweichende Form und erinnert bereits an das Heroldenkleid, wie er auch die Wappenfarben zeigt. Auſser dem groſsen Gürtel ist der Lendner noch um die Mitte mit einem kleinen Gürtel zusammengehalten. Auf der Brust ist an dem Panzer unter dem Lendner der Dolch, das Schwert und der Helm mit Ketten befestigt. Auf dem Haupte trägt der Herzog die Stahlhaube mit der Halsbrünne; der Stechhelm erscheint auf der Schulter. Derselbe hat die rothweise Helmdecke; als Helmkleinod erscheint jedoch nicht der österreichische Pfauenbusch, sondern ein gelber Adler mit zwei blauen Flügen. Eine Fahne im Arm des Herzogs ist roth und weiſs gestreift; auch sind die zwei untern Zipfel abgeschnitten, während der oberste fliegt. Die Tracht ist eine etwas fortgeschrittene, doch noch vollständig dem 14. Jahrh. entsprechend. Als besondere Eigenthümlichkeit erscheint eine Metallbüchse, in die wol der Zopf gefaſst ist, auf dem Rücken der Herzogs, und wir können daraus nur schlieſsen, daſs der Zopf entweder am Haupte selbst wuchs, oder wenigstens am Hinterhaupte befestigt war und herabhieng. Die zwei knieenden Frauen zeigen vollständig die Tracht des 14. Jahrh.: die enganliegenden, halb auf die Hand reichenden Aermel, die gefältelte Haube; die hintere erscheint mit dem Gürtel. Der Hermelinmantel bezeichnet die Damen als Fürstinnen, ebenso die auf der Haube befestigte Krone. Zwei Wappenschilde, der eine mit dem doppelgeschwänzten Löwen, der andere schwarz und weiſs geviert, bezeichnen die Damen als die Böhmin und Hohenzollerin.

Eine Inschrift am oberen Bande des Bildes sagt: Albertus dux austrie et stirie et carinthie et ceter. et uxores ejus. Die rückwärtige der beiden Frauen hat auf der Darstellung gleichfalls einen Zopf, der jedoch ohne Kapsel, aber mit langen flatternden Bändern erscheint und sicherlich, da er ebenfalls abnorm ist, zu dem Zopfe des Gemahles in einem Bezuge steht.

Die Frage, ob wir Porträte hier vor uns haben, möchten wir um so mehr verneinen, als die Figuren im Verhältniſs zu der einfachen Technik der älteren Glasmalerei sehr klein sind und nur durch wenige starke Linien der Gesichtsausdruck gegeben ist. Das Bild erscheint jedoch sehr geeignet, auf die Zopfgesellschaft und die Frage, ob und wie Albrecht wirklich einen Zopf trug, ein neues Licht zu werfen. Es sind uns übrigens in Steiermark noch zwei andere Monumente bekannt geworden, die Licht darüber zu verbreiten scheinen, und die wir später zu besprechen hoffen, nämlich ein zweites Glasgemälde, das ein anderes Mitglied der Zopfgesellschaft in gleicher Weise darstellt, und eine derartige Kapsel aus Silber mit Vergoldung, die zur Umhüllung eines Zopfes diente.

Essenwein.