Dieser Mittheilung haben wir nun zunächst die Nachricht von einer weiteren, mit freudigstem Danke zu begrüſsenden Stiftung folgen zu lassen, die uns äuſserst willkommen sein muſs. Von Herrn Landgerichtsassessor Ludwig von Cuny in Cöln, der früher schon als Pfleger unseres Institutes für Cleve der Förderung unserer Bestrebungen in anerkennenswerthester Weise sich angenommen und als solcher die höchst dankenswerthe Zusage uns gemacht hatte, da, wo das german. Museum der Vernichtung oder der Verschleppung in’s Ausland preisgegebene alte Manuscripte, Kunstwerke oder sonstige Denkmäler deutscher Vorzeit zu retten, Gelegenheit finden sollte, demselben im Nothfalle mit Geldmitteln zur Seite stehen zu wollen, sind uns auf die Mittheilung hin, daſs 3 groſse, starke, schön geschriebene und wohl erhaltene Pergamentcodices mit 90 fl. der Vernichtung durch die Hand des Goldschlägers sich entziehen lassen würden, zum Ankaufe gedachter Codices (s. das Geschenkverzeichniſs der Bibliothek 19,388 ff.), wie zur Erwerbung anderer, in obengedachter Weise gefährdeter vaterländischer Kunstwerke und Alterthümer 250 Thlr. zur Verfügung gestellt worden. Es werden der Zeugen deutscher Vorzeit, der Anhaltspunkte für die Beurtheilung des Lebens und Wirkens unserer Vorväter täglich weniger; Unkenntniſs vernichtet, fremdes Geld entführt der deutschen Wissenschaft alljährlich bedeutendes und leider nur zu oft gerade das werthvollste Material. Wer da retten will, muſs also bald dazuthun, und deshalb können wir die gedachte hochherzige, echtem Patriotismus und edler Pietät entsprungene Schenkung nicht ohne den lebhaften Wunsch in unsere Annalen eintragen, daſs auch Andere je nach Kräften in ähnlicher Weise uns helfend zur Seite treten und uns in die ersehnte Lage versetzen wollen, für Erhaltung vaterländischer Denkmäler und Kunstwerke in der Weise eintreten zu können, wie es einer Anstalt würdig, die bestimmt ist, all den verschiedenen Bestrebungen auf den Gebieten vaterländischer Geschichts- und Alterthumskunde ein Einigungs-, ein Mittelpunkt zu werden.
Ehrend haben wir auch die Uneigennützigkeit des Hrn. Enderlein, Hofbesitzers zu Rochsfeld bei Haideck, hervorzuheben, der dem Museum erlaubte, behufs Aufdeckung heidnischer Grabhügel, über welche später weiter Bericht gegeben werden soll, in umfangreicher Weise sein Feld aufzugraben.
Fast gleichzeitig mit dem Eingange obiger Stiftungen wurden wir durch die Botschaft erfreut, daſs aus pfälzischen Kreisfonds unserem Institute auch für 1865/66 ein Beitrag von 100 fl. bewilligt worden ist.
Und all diesen erfreulichen Mittheilungen sind wir so glücklich, auf Grund der Einläufe der letzten Tage heute weiter noch die höchst angenehme und äuſserst willkommene Nachricht folgen zu lassen, daſs auf gnädigsten Befehl Ihrer Hoheit der verwittweten Frau Herzogin von Anhalt-Bernburg zum Zwecke des Ausbaues unserer Karthause ein Beitrag von 20 Thlrn. Gold uns übersendet worden ist, daſs ferner Seine Durchlaucht der Fürst Leopold zur Lippe gnädigst geruhete, als eine auſserordentliche Beihülfe zu eben diesem Zwecke die Summe von 50 fl. uns zustellen zu lassen, und schlieſslich, daſs zur Minderung der durch Erwerbung der freiherrl. v. Aufseſsischen Sammlungen unserer Anstalt erwachsenen Schuld auf freundliche Vermittlung des Hrn. Christian Ritter d’ Elvert, k. k. Oberfinanzraths und Mitgliedes unseres Gelehrtenausschusses zu Brünn, von der dortigen k. k. m. schl. Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues, der Natur- und Landeskunde 20 fl. ö. W. und von der historisch-statistischen Sektion dieser Gesellschaft 10 fl. ö. W. uns zugekommen sind.
Von unseren Sammlungen sah sich in letzter Zeit mit besonders zahlreichen Zugängen vor Allem die numismatische Abtheilung bedacht. Namentlich war eine als Geschenk des Hrn. Kaufmann Paul Kahle in Berlin durch eines unserer dortigen Gelehrtenausschussmitglieder, Hrn. Geh. Rechnungsrath Schlickeysen, hierher gelangte Sammlung von 66 Silber- und 63 Kupfermünzen deutscher Münzstätten aus der Zeit vor 1650 uns in hohem Grade willkommen, da sie viele Lücken beseitigte.
Die Stiftungsverwaltung des protest. Kirchenvermögens zu Nürnberg überlieſs dem Museum 2 groſse Teppiche aus dem 15. Jahrh., wovon einer ein ornamentales Muster, der zweite 2 Heiligenfiguren, den leidenden Erlöser und die heil. Katharina, zeigt; von Hrn. Hofrath Prof. F. C. Mayer dahier wurden einige gepreſste Silberplatten überlassen, die, etwas beschädigt, bei einer Restauration des Sebaldusschreines entbehrlich geworden waren und die eine höchst interessante Parallele zu dem in ganz gleicher Weise ausgestatteten Reichskleinodienkasten in den Sammlungen des german. Museums bilden.
Ingleichen hatte sich die Bibliothek in den unter Nr. 19,394 als Geschenke des Hrn. Geh. Hofraths Dr. F. Ried in Jena verzeichneten Bänden eines sehr schätzbaren Zuganges zu erfreuen.
Durch den im März erfolgten, uns erst jetzt bekannt gewordenen Tod des k. pr. Geh. Ober-Justizrathes Th. Odebrecht zu Berlin hat unser Institut leider abermals ein altes und um die Förderung seiner Bestrebungen in vielfacher Beziehung verdientes Mitglied des Gelehrtenausschusses verloren. Als mehrjähriger Vorsitzender unseres Berliner Hülfsvereines, durch rege eigene Betheiligung an dessen Vorträgen u. s. w. hat der Verlebte in unseren Mauern das dankbarste Andenken sich gesichert.
Neue Pflegschaften wurden errichtet zu Stollberg in Sachsen, Weilburg in Nassau und Eggenfelden in Bayern.
An neuen Geldbeiträgen sind auſser den oben bereits genannten noch folgende zu verzeichnen: