Erst vor kurzer Zeit, bei Besprechung der Mannhardt’schen, inzwischen in zweiter Auflage erschienenen Monographie über einen in die deutsche Mythologie und Sittenkunde einschlagenden Gegenstand, fanden wir Gelegenheit, auf die Wichtigkeit des sorgfältigen Einsammelns der noch lebend sich vorfindenden volksthümlichen Ueberlieferungen, zugleich aber auch darauf hinzuweisen, daſs ein groſser Theil der bisherigen Arbeiten in dieser Richtung den wissenschaftlichen Anforderungen keineswegs volle Genüge leiste. Der obigen Sammlung jedoch dürfen wir das Zeugniſs nicht versagen, daſs sie, sowohl rücksichtlich der Behandlung und Anordnung, als der Reichhaltigkeit des gesammelten Materials, den bessern Erscheinungen dieser Art sich würdig anreiht. Das ganze Werk soll drei Bände umfassen, von welchen der noch rückständige zweite zur Aufnahme der Sagen, Märchen, Bräuche und Aberglauben, und der dritte für literargeschichtliche, sachliche und sprachliche Erläuterungen (namentlich Lautlehre und Wörterbuch) bestimmt ist. Dieser letzte Band wird zu einer eingehendem Besprechung voraussichtlich mehr Anlaſs bieten, als der vorliegende erste; wir beschränken uns daher für diesen auf eine nähere Angabe seines Inhalts. Die Abtheilungen „Kinderlieder“ und „Volkslieder“ umfassen jede wieder mehrere Unterabtheilungen. Unter die erstgenannte Abtheilung sind z. B. begriffen: Wiegenlieder, Kindergebete, Sprechübungen, Verkehr mit der Natur, Neckreime, Räthsel etc. Dieser Abschnitt zählt im Ganzen (ungerechnet die den „Kinderspielen“ beigesellten Spiel- und Abzählreime) 423 Nummern. Reich vertreten sind auch die Volkslieder, welche unter die Ueberschriften: Balladen, Liebes-, Jäger-, Hirten- und Soldatenlieder, u. a. vertheilt sind. Die Zahl derselben beträgt 193, darunter mehrere in der Mundart. Der Herausgeber hat sich bei jedem einzelnen persönlich überzeugt, daſs es wirklich im Munde des österreichisch-schlesischen Volkes lebt. Dürftiger ist die Sammlung der Sprichworte und Redensarten, die jedoch mit geringen Ausnahmen originell, d. i. mundartlich gefaſst sind. Die Sammlung der Volksschauspiele wird eröffnet durch ein gröſseres Weihnachtsspiel, aus Obergrund stammend: „Die Erschaffung der Welt sammt der Menschwerdung Jesu Christi“, woran sich noch drei kleinere „Christkindelspiele“ reihen. Der Herausgeber glaubt, daſs der Text des ersteren der Hauptsache nach mindestens in’s 16. Jahrhundert zurückreiche.

Aufsätze in Zeitschriften.

Das Ausland: Nr. 17. Ueber eine alte Weltkarte in der Markusbibliothek zu Venedig. — Die Wenden der Niderlausitz. (Franz Maurer.)

Daheim: Nr. 30. Luther in der russischen Legende.

Grenzboten: Nr. 18. Die Stellung der Römer in den Staaten der Völkerwanderung. — Nr. 19 f. Deutsche Studenten in alter Zeit.

Hausblätter: 8. Heft. Sagen aus dem Spessart. 15–17. (Adalb. v. Herrlein.)

Sächs. Kirchen- und Schulblatt: Nr. 17 f. Ein eigenhändiger, ungedruckter Brief des Dr. Justus Jonas. (J. K. Seidemann.) — Nr. 18. Die Sage von Luther’s Widerruf seiner Abendmahlslehre.

Allgemeine Kirchenzeitung: Nr. 15–18. Zur Geschichte und Charakteristik der evangelischen Kirche in Rheinland und Westfalen.

Korrespondent v. u. f. D.: Nr. 188 ff. Aus dem Aischgrund. — Nr. 206. 208. Zur Sage von der weiſsen Frau. — Nr. 210. Der deutsche Michel. — Nr. 214. Die älteste Erwähnung eines deutschen Parlaments. — Nr. 221. Eine Reminiszenz an das Kloster Himmelkron.

Deutsche Kunst-Zeitung: Nr. 13. Ueber die gegenwärtige Restaurirungsweise mittelalterlicher Bauwerke. (Karl Köhler.)