Leipziger Zeitung: Wiss. Beil. Nr. 27 ff. Ernst der Fromme, Herzog zu Sachsen-Gotha und Altenburg.
Weimarische Zeitung: Nr. 103. Slawische Ortsnamen in der Umgegend von Jena. (Notiz.)
Vermischte Nachrichten.
Entdeckung eines merkwürdigen Grabes aus der Stein- und Bronzeperiode.
43) Der Mittheilung meines verehrten Freundes Dr. J. G. Burman-Becker in Kopenhagen verdanke ich einen Bericht über die Entdeckung eines sehr merkwürdigen Grabes aus der Stein- und Bronzeperiode, den ich als eine antiquarische Neuigkeit aus dem vorrömischen Norden mich beeile, den Freunden und Forschern der grauen Vorzeit zur Erwägung vorzulegen. Der Bericht lautet:
„Nachdem man hier in Dänemark in dem Spätjahr 1865 und im Winter 1866 bei Markarbeiten in verschiedenen Provinzen, auf verschiedenen Stellen, beim Schleifen von Grabhügeln, Grabkammern von groſsen Steinen entdeckt hat, welche von verschiedener Gröſse waren, und worin man Ueberbleibsel von menschlichen Körpern, nebst steinernen und bronzenen Gerätschaften antraf, hat man im Anfang Januar bei dem Dorfe Enslev, nicht weit von dem Städtchen Grenaae im nördlichen Jütland, eine Entdeckung gemacht, die nach meiner Ansicht von groſsem Interesse ist.
Man schleifte einen Grabhügel von 200 Fuſs Umfang und 16 Fuſs Höhe und fand in einer Tiefe von 2 Fuſs ein Skelett, bei dem ein thönerner Topf stand. Dieses Skelett lag auf einem groſsen Steine, der einen schmalen Gang deckte, und dieser Gang führte zu einer groſsen Grabkammer, welche 12 Fuſs lang, 6 Fuſs breit und 3 Fuſs hoch war. Zehn groſse Steine bildeten die Wände, und drei groſse, ebene Steine die Bedeckung. Die Kammer enthielt viel Erde und eine Masse von menschlichen Gebeinen, worunter zwanzig Köpfe; zwischen dieser Masse fanden sich zwei ausgezeichnete Dolche oder Messer von Feuerstein, eine Perle und zwei unbekannte Gerätschaften von Knochen, nebst sieben Perlen von Bernstein. Aber oben auf dieser ganzen Masse lag ein Skelett in ausgestreckter Stellung von Osten nach Westen. Der Kopf lag im Westen, dabei bronzene Ueberbleibsel einer groſsen Nadel und eine Perle von gewickeltem Golddrahte. Es könnte beim ersten Anblick scheinen, als ob dies ein Begräbniſs sei aus dem Steinalter, welches im späteren Bronzealter noch benutzt wurde; aber hat man, um den oben Aufliegenden zu beerdigen, die groſse Masse Erde wegschaffen und die ungeheuren Decksteine aufheben können? Denn in der Grabkammer ist kaum Platz genug gewesen, um, von der Seite eindringend, den oben Aufliegenden auf der unten liegenden Masse von zwanzig Leichen aufzuheben und zu placieren. Sind aber die einundzwanzig Leichen hier auf einmal begraben, und ist erst dann die Kammer mit den ungeheuer schweren Steinen gedeckt worden, so müssen wir schlieſsen, daſs manche groſse steinerne Grabkammern jünger sind, ale man bisher in Dänemark geglaubt, und dem späteren bronzeführenden Volke zugeschrieben werden müssen.“
Leiden, 17. April 1866.
L. J. F. Janssen.
44) In Gera, wo man 1852 gelegentlich von Erdarbeiten neben der Jahn’schen Maschinenbauanstalt auf eine heidnische Begräbniſsstätte mit Urnen, Bronzegegenständen u. s. w. stieſs, sind gegenwärtig beim Ausgraben in der Bahnhofstraſse, westlich vom Jahn’schen Etablissement, wieder in groſser Anzahl Urnen nebst mehren bronzenen Gegenständen ausgegraben worden. Augenscheinlich hat man hiemit die westliche Grenze dieses uralten Begräbniſsplatzes aufgefunden. Im nächsten Herbste sollen auf dem dazwischen liegenden Feldgrundstücke systematische Nachforschungen angestellt werden.