(Ill. Ztg.)
55) Die kgl. preuſs. Akademie der Wissenschaften zu Berlin hatte am 3. Juli 1862 die Bearbeitung der Regesten der Päpste von Innocenz III. bis mit Benedict XI. als Preisaufgabe gestellt. Nachdem innerhalb drei Jahre keine Bearbeitung dieser Aufgabe eingegangen war, ist dieselbe Preisaufgabe mit verdoppeltem Preise (200 Dukaten) wiederholt worden. Die ausschlieſsende Frist für die Einsendung der dieser Aufgabe gewidmeten Schriften ist der 1. März 1868.
Der Nutzen des germanischen Museums für die kunstindustrielle Thätigkeit unserer Zeit.
Die Alterthumswissenschaft den Schöpfungen auf dem Gebiete der Kunst und Industrie unserer Tage nützlich zu machen, ist nicht nur eine sogenannte zeitgemäſse Idee; es ist nicht nur im Interesse der heutigen Schöpfungen, es liegt im Interesse der Wissenschaft selbst, in engen Verband mit der Kunstthätigkeit der Zeit zu treten. Selbst bei fleiſsigem Beschauen der uns von der Vorzeit überlieferten Objekte prägt sich nur ein flüchtiges Bild ein, das eben, weil es nicht eingehend, manchmal sogar geeignet ist, eine verkehrte Anschauung zu wecken und zu nähren. Je mehr man also Veranlassung hat, in das Wesen der Dinge einzudringen, desto eingehender wird man sie auch studieren. Nun liegt aber gerade in der Wiederanwendung der Prinzipien und Formen der dringendste Grund, sich genau damit bekannt zu machen. Der schaffende Künstler, der in einem gewissen Gebiete arbeiten will, wird sicher tief eindringen, da er in den eigenen Schöpfungen den Maſsstab für die Frage findet, ob er auch Alles, ob er auch jede Einzelheit der zu studierenden Gegenstände genau und richtig erfaſst hat. Eine solche Controle für die eigene richtige Auffassung hat der Gelehrte nicht. Es muſs also auch im Interesse der Wissenschaft liegen, wenn sie mit dem praktischen Leben in Verbindung gesetzt wird. Deshalb hat auch das germanische Museum von jeher mit Vorliebe darauf gesehen, solche Verbindungen herzustellen, die auf der andern Seite sicher der heutigen Kunst und Gewerbsthätigkeit in so auſserordentlicher Weise förderlich sind. Wir brauchen hier nicht auf die groſsen Anstrengungen hinzuweisen, die allenthalben in Frankreich und England gemacht werden; wir brauchen nicht daran zu erinnern, daſs das South-Kensington Museum in London und das neue k. k. Museum für Kunst und Industrie in Wien eigens dem Zweck gewidmet sind, das, was die Vorzeit uns werthvolles hinterlassen hat, der Gegenwart dienstbar zu machen, sowohl zu direkter Nachahmung, als auch zu Studien im Allgemeinen.
Solcher Objekte, die theils zum Studium in allgemein bildender Richtung den Industriellen dienen, theils direkte Nachbildung finden können, besitzt das germ. Museum in Original und Nachbildung eine groſse Zahl; noch reicher ist aber das Material, welches Bibliothek und Kupferstichsammlung des Museums bieten, und es könnte manchem Gewerbevereine, wie manchem einzelnen Gewerbetreibenden damit gedient sein. Das Museum könnte aber, wenn sich mehrere Gewerbevereine fest mit ihm verbänden, in dieser Hinsicht noch weit mehr thun. Wir glauben daher hier auch die Antwort des Museums auf eine Anfrage des Gewerbevereins zu Fürth dem Publikum, wie den übrigen Kunst- und Gewerbevereinen Deutschlands bekannt geben zu sollen, und es würde uns sehr freuen, wenn sich durch Verwirklichung des in dieser Antwort Ausgesprochenen das Museum in der Lage sähe, der heutigen Gewerbsthätigkeit so groſsen und wesentlichen Nutzen zu bringen.
An den löblichen Gewerbeverein in Fürth.
Die verehrliche Zuschrift vom 17. April 1866 hat dem germanischen Museum von den Bemühungen des löblichen Vereins Kenntniſs gegeben, eine der Hauptaufgaben der Industrie unserer Zeit ins Auge fassen und die Erzeugnisse des Handwerks durch die Kunst veredeln zu wollen. Derartige Bestrebungen, die in England und Frankreich so gute Früchte getragen haben, werden auch bei uns nicht ohne Wirkung sein. Der Verein hat aber auch die richtige Basis für derartige Bestrebungen erkannt, indem auch in Frankreich und England die Museen, welche die Schätze der Kunst- und Gewerbsthätigkeit der Vorzeit umfassen, die Basis für alle derartige Studien waren.
Sind es nun schon in den französischen Museen neben den Werken der Antike vorzugsweise deutsche Erzeugnisse des Mittelalters und der Renaissance, welche dem Studium geboten werden, so ist mit Recht vorauszusetzen, daſs deutsche Museen auf diesem Gebiete noch weit reichhaltigeres Material bieten müssen. Es war also ein sehr angemessener und nachahmenswerther Schritt des Fürther Gewerbevereins, das germanische Museum in dieser Richtung um seine Mitwirkung anzugehen. Das Museum besitzt in seiner Bibliothek kostbare Prachtwerke, die einzelnen Vereinen ganz unzugänglich sind, und hat in seiner Kupferstich- und Zeichnungssammlung eine solche Menge von Einzelblättern, daſs es in der That jedem Gewerbeverein viel Material liefern kann.
Das Museum übersendet daher gegen gefällige Empfangsbestätigung dem löblichen Vereine beifolgend einige Werke und Einzelblätter, die, ohne alles System gewählt, die Reichhaltigkeit der Sammlungen illustrieren sollen.
Was die in der verehrlichen Zuschrift angedeutete fortgesetzte Verbindung betrifft, so durfte solche dem Vereine jedenfalls förderlich sein. Der gröſste Nutzen für alle Theile würde jedoch dann entstehen, wenn ebenso, wie der Verein zu Fürth, eine Anzahl anderer Vereine mit dem Museum sich verbände und jeder Verein einen angemessenen Beitrag von vielleicht 50–100 fl. jährlich leistete. Das Museum würde alle diese Beitrage ganz ausschlieſslich auf Anschaffung von kostbaren und theuern Kupferwerken und Einzelblättern, vorzugsweise Photographieen und nicht veröffentlichte Handzeichnungen, verwenden und diese bei allen Vereinen circulieren lassen. Würden sich auf diese Weise etwa 20 Vereine betheiligen, so könnte es das Museum übernehmen, jeden Verein fortwährend mit einer bestimmten Menge von Material zu versehen, das alle 4 Wochen regelmäſsig wechselte. Das Museum könnte auch in den Wintermonaten, wo seine Sammlungen weniger besucht sind, einzelne Objekte aus diesen Sammlungen oder ganze Serien einzelnen Vereinen zur Ausstellung auf je 4 Wochen zustellen, wobei allerdings das Museum nur solche Gegenstände senden könnte, für die durch den Transport kein Schaden zu befürchten ist, oder die durch die Vereine, im Falle sie Schaden leiden würden, eben wieder leicht ersetzt werden könnten, wie Gypsabgüsse u. s. w.