Nachschrift. Zur Vervollständigung des obigen Beweises ist vielleicht einem oder dem andern Leser ein Verzeichniſs von Irrthümern Agricola’s nicht unwillkommen, die sicherlich in allen Exemplaren des fraglichen Druckes wiederkehren; auch sind sie gewissermassen ein Zeugniſs für die schriftstellerische Naivetät des 16. Jahrhunderts. Ein ähnliches Verzeichniſs für die ältere Sammlung habe ich in meinem Buch über Agricola’s Sprichwörter, 1862, S. 79, zusammengestellt. Auſser dem Druckfehler thierern für thieren in Nr. 158, s. Franck im Anz. 1865, Sp. 391 nenne ich:

Spr. 1. Bl. 5a wird von einem weisen Mann „Melicerla in der Insel Melita“ erzählt, er habe zwei Truhen für empfangene und vertheilte Wohlthaten geführt, deren erste immer leer geblieben sei. Im Alterthum ist dies von Simonides überliefert worden; siehe Agricola’s Sammlung, Spr. 202 und mein Buch über Agricola, S. 18.

Spr. 2. Bl. 9b. bittet Minerva den Jupiter, den „bey der Bosen haut Cyrce“ (l. Kalypso) weilenden Ulysses zu befreien.

Spr. 2. Bl. 11b nimmt Dionysius dem Aesculap den goldenen Bart, da sein Vater Jupiter (l. Apollo) bartlos sei.

Spr 153. Bl. 64b nennt Agricola den Creon den Eidam (Aydem) des Oedipus; er konnte ihn doch nur Oheim oder Schwager nennen.

Spr. 191. Bl. 83b es ist gefarlich, bey den herren am Tische sitzen, wie dann Cambysis Küniges zu Persien, und des grossen Alexanders historien zeügen mit Clito, Parmenione, vnd Collophone (l. Philotas oder einen andern passenden Namen).

Spr. 252. Bl. 115a wird Marius unter den Zeitgenossen des Octavian aufgeführt.

Eine neue Flugschrift über den englischen Schweiſs des Jahres 1529.

Mitgetheilt von Dr. H. Häser zu Breslau.

Herr Dr. Davidson der Aeltere, praktischer Arzt hierselbst, ein bewährter Freund der Geschichte der Medicin, war vor Kurzem so glücklich, auf der hiesigen kgl. Bibliothek ein bis jetzt völlig unbekanntes, gleichzeitiges Dokument über die Schweiſsseuche des Jahres 1529 zu entdecken, und so gütig, es mir Behufs der Veröffentlichung mitzutheilen. Die letztere wird um so mehr gerechtfertigt sein, als das Original, wie es scheint, von der gröſsten Seltenheit ist. Wenigstens haben weder Gruner, der für seine groſse Monographie über 20,000 Schriften nachschlug, noch ich selbst bei der Herausgabe des durch eigene Nachträge vermehrten Gruner ’schen Werkes (Scriptores de sudore anglico superstites collegit Christ. Gottfr. Gruner; post mortem auctoris adornavit et edidit Henricus Haeser. Jenae, 1847. 8.) von der Existenz desselben eine Ahnung gehabt.