Vermischte Nachrichten.

56) In der Sitzung der philosophisch-historischen Classe der kaiserl. Akademie der Wissenschaften in Wien vom 11. April wurde u. a. vorgelegt: von Dr. Franz Stark eine Abhandlung über die Kosenamen der Germanen, und zwar die erste Abtheilung derselben: die verkürzten Namen. In dieser Abhandlung ist zum ersten Male die Sonderung der mannigfaltigen Formen, in welchen die germanischen Kosenamen auftreten, durchgeführt, auf Grund eines vieljährigen Sammelns von Eigennamen aus vielen Tausenden von Urkunden und zahlreichen andern Geschichtsquellen, insbesondere einer gleichfalls zum ersten Male unternommenen Zusammenstellung jener Kosenamen, denen die vollen zweigliedrigen Formen, auf historischem Wege gefunden, mit Sicherheit gegenübergestellt werden können. Zum ersten Male wird hier auch der verschiedene Bildungsprozeſs, dem die germanischen Kosenamen den Formenreichthum verdanken, auf der bemerkten sichern Grundlage auch sicher nachgewiesen. — In derselben Sitzung legte Dr. Beda Dudík eine Abhandlung „ Handschriften der fürstlich Dietrichstein’schen Bibliothek zu Nikolsburg in Mähren“ vor, worin er zuerst eine generelle Uebersicht der Handschriften nach Sprachen gibt und sodann 101 Codices umständlich beschreibt. Von diesen gehören 18 der böhmischen, 34 der lateinischen und 49 der deut schen Sprache an. Aus der Classe der böhmischen Handschriften haben einen hohen linguistischen Werth die Bibeltexte des 15. Jahrhunderts, einen dogmatisch-historischen Hussens und seiner Anhänger Schriften. Aus den lateinischen Handschriften sind besonders jene hervorzuheben, welche die Synodalbeschlüsse der Prager und Olmützer Kirche betreffen und zum Theil bis jetzt unbekannt gewesen sind. Unter den deutschen Handschriften haben für den Philologen und Literaturhistoriker die verschiedenen Sammlungen deutscher Gedichte des 13. u. 14. Jahrhunderts hohen Werth, für den Juristen die verschiedenen Exemplare des Schwabenspiegels und des sächsischen Rechtes, und für den Historiker die Gesandtschafts-Relationen vom Jahre 1595, die Chroniken, namentlich über Maximilian’s I. Zeiten, amtliche Gutachten und Institutionen des 16. Jahrhunderts u. s. w.

57) Graf Clemens von Schönborn-Wiesentheid hat den Verkauf der Gemäldegallerie zu Pommersfelden bei Bamberg nunmehr der Montmorillon’schen Kunsthandlung und Auctionsanstalt in München übertragen. Die Gallerie, deren Verkauf en bloc bis Ende Juni vorbehalten wird, soll im September zu Pommersfelden zur öffentlichen Versteigerung im Einzelnen gebracht werden. Der Tag der Versteigerung selbst wird mit der Ausgabe des Catalogs bekannt gegeben, welcher letztere, in deutscher und französischer Sprache abgefaſst, auch die Auctionsbedingungen enthält.

58) Vom Heidelberger Magistrat ist kürzlich, um die Gründung eines städtischen Kunst- und Alterthumsmuseums zu erleichtern, die Aufforderung ergangen, pfälzische Kunstgegenstände der Stadt zum Verkauf zu übermitteln oder geschenkweise zuzuführen. Der Freskomaler Götzenberg entsprach bereits dem Rufe seiner Vaterstadt, indem er ihr nebst anderen Kunstsachen 30 Cartons seiner Wandgemälde schenkte.

(Europa.)

59) Professor Höfler in Prag hat in einer Privatbibliothek eine beträchtliche Anzahl von Originalbriefen österreichischer Generale aus Wallensteins Zeit entdeckt, welche interessante Aufschlüsse über die Vorgänge vor der Katastrophe in Eger geben.

(Augsb. Postztg.)

60) Im Zwickauer Rathsarchiv ist ein Buch von alten Wachstafeln gefunden worden, die noch bis zum Jahre 1470 im Gebrauch gewesen zu sein scheinen. Die Schrift besagt nur Oertliches und Unbedeutendes.

(Ill. Ztg.)

61) In einem Garten zu Marburg in Steiermark wurden in einem irdenen Topfe 3000 Stück Brakteaten gefunden, welche dem 12. Jahrhundert angehören dürften. Die meisten derselben stammen aus Chur (Steinbock) und Aquileja. Von Buchstaben sind fast nur R und V zu bemerken.