(Dies.)
62) Der durch seine ethnographischen Werke bekannte Schriftsteller Kanitz in Wien hat vor Kurzem in Serbien neue archäologische Entdeckungen gemacht. Er hatte sich nämlich nach der ehemaligen römischen Hauptstadt Ober-Mösiens, Viminacium — das heutige Kosteletz am Einfluſs der Mlava in die Donau — begeben, wo er nicht nur ein im Grundriſs ganz wohlerhaltenes Castell und Forum, sondern auch die Grundmauern einer Stadt von so groſser Ausdehnung wie fast nirgends an der Donau vorfand. In seiner Anwesenheit wurde ein riesiger Sarkophag ausgegraben; ein zweiter zeigte einen Skulpturenschmuck von solcher Schönheit, daſs er jedem berühmten Alterthumsmuseum zur Zierde gereichen würde. Auſserdem hat F. Kanitz dort Copien verschiedener Basreliefs, Figuren, Inschriften und gestempelter Ziegelplatten angefertigt. Letz tere tragen die Signatur der Legio septima Claudia, deren Standquartier Viminacium unter Nero und Trajan war.
(Dies.)
63) Bei Brüx in Böhmen sind in der jüngsten Zeit einige interessante Funde aus der Steinzeit gemacht worden. Schon im Sommer des Jahres 1864 fand man bei der Grundgrabung für ein Maschinenhaus auf einem der Felder am östlichen Ende der Stadt in einer Tiefe von 3 Ellen mehrere Todtenurnen, bei denen sich auch ein menschliches Gerippe von ungewöhnlicher Gröſse befunden haben soll. Leider sind die Gefäſse sämmtlich zerschlagen worden, und auch von dem Skelett kam nichts zur Ansicht; dagegen wurden unversehrt abgeliefert ein Steinhammer und ein Steinkeil. Ersterer war von der Gröſse und Gestalt, wie sie gegenwärtig die Maurer führen. In der Mitte ist der Hammer durchbohrt zur Einführung des Stiels; das Gestein ist Serpentin. Auch der Steinkeil ist von demselben Material und ganz gut erhalten. Beide Gegenstände kommen in die Sammlung des Grafen Czernin. In diesem Jahre, ganz vor Kurzem, entdeckten Arbeiter beim Schachten zu einem Hopfengarten in der Tiefe von 3 Fuſs am südlichen Ende der Stadt einen Kranz von weiſsen Kieselsteinen, die bei einem Durchmesser von 3 Fuſs im Kreise herumgeschichtet waren. In der Mitte dieses Kreises lag ein Häuflein kleiner Steine mit anderer Erde als in der Umgebung und darunter eine Steinaxt nebst Knochenresten, welche sogleich zerfielen. Diese Axt besteht aus Grünstein und ist bedeutend gröſser als der Steinhammer, 22 Centimeter lang, 9 Centimeter breit, an dem einen Ende stumpf, am andern keilartig zugeschärft; die Schärfe steht mit der Richtung des Stils in einer Linie wie bei unsern Hacken. Die Oeffnung für den Stiel ist nicht genau in der Mitte und miſst 2, 8 Centimeter. Der Eigenthümer des Grundes, auf welchem der Fund gemacht wurde, hat letzteren der Realschule in Brüx zum Geschenk übergeben. Bei Gelegenheit dieser Ausgrabungen wird darauf hingewiesen, daſs die dortige Umgegend wol viele Pfahlbauten bergen könne, da der alte Kummernersee, der seit 1854 trocken gelegt ist, sich bis unter Brüx nach Rudelsdorf erstreckte und die ganze Gegend überhaupt sehr wasserreich ist.
(Dies.)
64) In der Gegend von Plaben an der Maltsch, Bezirk Budweis, wurden mehrere heidnische Gräber entdeckt und durch sogleich eingeleitete Nachgrabungen bereits einige Urnen und Opferschalen zu Tage gefördert. Die Ausgrabungsarbeiten werden fortgesetzt und dürften ein bedeutendes Ergebniſs liefern, da sich gegen 35 solcher Grabhügel in dortiger Gegend befinden.
(Dies.)
65) Im Garten des Laibacher Bürgerspitals ist man bei Anlegung von Baumpflanzungen auf römische Grabstätten gestoſsen. Es fanden sich mehrere Särge aus groſsen römischen Ziegeln vor, die leider von den Arbeitern zerstört worden sind, ferner Grablampen, Aschenurnen, Thränengefäſse aus Thon und eine erzene Münze. Man schlieſst in Folge dieser neuen Fundstätte auf eine sehr weite Ausdehnung des Begräbniſsplatzes der alten Emona.
(Dies.)
66) Zu Andernach, Regierungsbezirk Koblenz, ist beim Ausgraben von Bimsstein auf dem St. Martinsberge in einem aus einem Steinblock gearbeiteten Sarge das vollständige Gerippe eines aus der Römerzeit stammenden Körpers von 6 Fuſs Länge gefunden worden.