Aber auch eine Eintheilung der Siegel nach ihren Inhabern — welche häufig angewendet wird — ist bei Aufstellung eines allgemeinen sphragistischen Systems nicht zu empfehlen. Denn hier handelt es sich hauptsächlich um die Siegel als solche, und weniger um ihre Inhaber.

Eine systematische Eintheilung der Siegel nach ihren Bildern, wenn dieselbe den an sie zu stellenden Anforderungen vollkommen entspricht, d. h. wenn sie einfach, umfassend und logisch geordnet ist, wird aber auch für jede andere Eintheilung der Siegel die sicherste Grundlage bilden.

„ Der Zweck des Sammlers wird immer den Hauptgrund der Eintheilung (einer Siegel-Sammlung) bilden“, sagt Melly (a. a. O.).

Je allgemeiner daher der Zweck ist, um so allgemeiner muſs auch das System gehalten sein.

Bezeichnet man dagegen die zu beschreibenden Siegel mit den wenigen (römischen und arabischen) Ziffern und den paar (groſsen und kleinen) Buchstaben unseres Systems, mit Angabe ihrer äuſseren Form, z. B.:

Siegelformen[L]

und fügt nur einige Worte über Farbe, Stoff und Befestigungsart hinzu — wobei man die weitaus zahlreichsten mittelalterlichen Siegel, die von runder Form, von ungefärbtem Wachs und mittelst Pergamentstreifen angehängten, als die Regel annimmt, und diese Eigenschaften ein für alle Mal (als selbstverständlich) mit Stillschweigen übergeht[M] — so sind die Siegel auf eine ganz einfache und leichte Weise — so zu sagen stenographisch — und gewiſs deutlicher und bestimmter bezeichnet, als wie durch die weitläufigsten Beschreibungen nach der bisherigen unklaren und unbestimmten Terminologie.

Wenn z. B. bei sechs Siegeln durch nachstehende kurze Bezeichnungen:

Nr. 1. Siegelformen Siegel I. A. von Blei an hänfenen Schnüren.

Nr. 2. Siegelformen Siegel II. B. an ledernen Riemen.