Es wäre höchst interessant, wenn noch andere derartige Siegel, namentlich aus der Zeit vor 1400, beigebracht werden könnten.
Was die arabischen Ziffern betrifft, so glaubt Mauch[B] „den Grund, aus welchem dieses historisch wie technisch interessante Siegel allen anderen in Deutschland vorgekommenen bezüglich der darauf befindlichen arabischen Ziffern um ein volles Jahrhundert voraus ist, und insofern hier vereinzelt dasteht, nur in dem Umstande suchen zu müssen, daſs sich Gottfried von Hohenlohe mehrentheils am kaiserlichen Hoflager und mit demselben viel in Italien aufhielt, wo mit dem in den Verkehrsverhältnissen mehr und mehr fühlbar gewordenen Bedürfniſs der Erweiterung der Rechenkunst die arabischen Ziffern bereits mit dem 13. Jahrh., ungefähr um dieselbe Zeit allgemeinere Verbreitung gefunden haben, um welche Gottfried von Hohenlohe mit der Würde eines „comes romaniole“ beliehen worden ist. Auf diesen Vorgang deutet namentlich die Jahreszahl 1235.“
Nach dem neuen Lehrgebäude der Diplomatik sind die arabischen Ziffern in Europa seit der ersten Hälfte des 13. Jahrh. in Gebrauch. Die dort angeführten ältesten Beispiele sind von 1233 aus England, von 1245 aus Italien[C] und von 1268 aus Deutschland. „Wälschland fieng eher als Deutschland an, sich dieser Zahlzeichen zu bedienen.“ (S. II. Buch, 4. Hauptst., §. 115.) Auf einem Grabstein eines Grafen von Katzenellenbogen, im Schloſsgarten zu Bieberich, soll sich nach v. Hefner-Alteneck (Trachten des christl. Mittelalt., I. Taf. 27) die Jahreszahl 1299 in arabischen Ziffern eingehauen befinden. Ob aber dieselbe gleichzeitig ist, wird schwer nachzuweisen sein.
Was aber die letzte Ziffer auf unserem Siegel betrifft, so bemerkt Mauch, daſs dieses die einzige Ziffer 5 sei, die ihm von dieser Form bekannt geworden; sie habe „das Ansehen eines, statt nach rechts, nach links stehenden Dreiers.“
Wir halten letzteres Zahlzeichen wirklich für einen Dreier, welchen der Siegelschneider aus Versehen verkehrt geschnitten hat[D]. Gerade weil die arabischen Ziffern damals noch so selten gebraucht wurden, ist dieser Verstoſs um so leichter erklärlich[E].
Gottfried kommt bis jetzt vor 1235 als Graf von Romaniola urkundlich nicht vor; allein sein Bruder Conrad erscheint schon 1230 in einer Urkunde als comes Romaniole (s. v. Stälin, wirt. Gesch, II, 556). Es ist aber doch wohl anzunehmen, daſs beide Brüder zu gleicher Zeit mit dieser Grafschaft belehnt wurden.
Diese Annahme wird durch unsere Erklärung der Jahreszahl auf dem vorliegenden Siegelstempel bestärkt.
Es sind früher hie und da Zweifel gegen die Echtheit dieses Siegel stempels erhoben worden, weil bis jetzt kein älterer Abdruck desselben bekannt ist, weil das Wort Sigillum in der Legende fehlt und namentlich auch wegen der Jahreszahl. Die ersteren beiden Einwände sind ohne Bedeutung. Daſs wir kein Originalsiegel kennen, kann Zufall sein. Die Bezeichnung „Sigillum“ kommt schon zu Ende des 12. Jahrh. auf einzelnen Siegeln vor, während sie auf anderen zuweilen noch bis in die Mitte des 14. Jahrh. fehlt. Was aber die Jahreszahl betrifft, so glauben wir, daſs gerade diese — nach obiger Erklärung — einen Beweis für die Echtheit des Stempels liefert. Bei einer Fälschung würde man gewiſs um so mehr Sorgfalt auf diese, damals noch so wenig gebräuchliche Zeitbestimmung verwendet, sicher keine ganz unbekannten Ziffern gebraucht, verkehrt stehende nicht geduldet und auch für Anbringung der Jahreszahl keinen ganz ungewöhnlichen Platz[F] gewählt haben.
Mittelalterliche Siegelstempel, namentlich aus dem 13. und 14. Jahrh., sind sehr selten; denn nur wenige sind ihrer vorschriftsmäſsigen Zerstörung nach dem Tode ihres Inhabers entgangen. Sie sind daher schon an und für sich für die Alterthumskunde sehr werthvoll. Wir theilen deshalb hier gleich noch einen zweiten mit.