Fußnoten:[A] Wahrscheinlich Berinher oder Bernhard, da unter den Figuren des Fensters auch der heil. Bernhard vorkommt. Vgl. Förstemann’s altd. Namenbuch, I, 231 f.[B] Wie die frühere Tafel zeigt, ist die Kapsel des Albertus nicht anders als metallen zu betrachten.

Die Sprichwörtersammlung des Friedrich Peters.

Von Subrektor J. Franck zu Annweiler.

(Fortsetzung.)

Als Quellen seines Buches dienten Peters theils früher erschienene Sammlungen, unter welchen er namentlich diejenige Neander’s[1586] anführt, den er (Bl. (?) vj b ) „seinen lieben alten Praecptor, Rector der loͤblichen Schul zu Ilfeld“ nennt, theils die Schriften seiner Zeit- und theologischen Amtsgenossen des 16. Jahrh., bekanntlich die goldene Periode und fast unerschöpfliche Fundgrube deutscher Sprichwörter[A], und unter diesen besonders diejenigen Luthers, sowie endlich der Volksmund selbst, „die gemeine tegliche vnterredung in Collationen vnnd sonsten.“ Seine eigenen Worte in jeder dieser Beziehungen sind (Vorrede, Bl. (?) vj b -(?)vij b ) folgende: „Das aber solche Spruͤche beyleufftig vnd nach langheit der zeit ohn muͤhe mit guter weile sind zusam̃en gelesen vnnd auffgezeichnet/ hat anfenglich der Achtbare/ wolgelehrter vnd weitruͤmbter mein lieber alter Praeceptor M. Michael Neander S. Rector der loͤblichen Schul zu Ilfeld verursacht damit das er in seinem Buͤchlein/ genant Ethice vetus/ gleiche Arbeit angewendet/ vnd etliche Teutsche Spruͤche vn̄ Sprichwoͤrter zu hauff gebracht hat mit einem solchen Titel/ Veterum sapientum Germanorum sapientia, das ist der alten weisen Teutschen Weiſs heit: Welcher auch vmb des willen bey diesem Buͤchlein behalten ist.

Darnach hat dieses noch viel mehr vrsach dazu gegeben/ das vnser lieber Vater der tewre hocherleuchte Man Gottes D. Martin Luther bey seiner grossen beschwerlichen Muͤhe vnd Arbeit/ auch gleichsfals der alt Herr M. Johannes Matthesius ein auſsbuͤndig trefflicher Prediger/ vnd ander mehr gelehrte Christen Leut jhnen solche Weltarbeit nicht haben lassen miſsfallen/ sondern... in jren Schrifften vielmals allerley runde sinnreiche Spruͤche vnd gemeine lehrhaffte Sprichwoͤrter gefuͤhret/ auch feine heilsame Erinnerung von guten Sitten vnd gemeinem Lauff der Welt in lustige schoͤne Reim gefasset/ wie solche Spruͤche/ so viel muͤglich gewesen/ aus jhren Buͤchern/ so wol als auch aus ander rechtlehrender Theologen vnd Weltweiser Leut Schrifften/ auch auſs der H. Bibel selbst auffgezeichnet/ vnd hieher in diſs Buͤchlein gebracht sind/ also/ das hie kein Spruch zufinden/ der nicht entweder in gemeiner sittiger Rede gebrauchet werde/ oder in guten Buͤchern bereit auffgeschrieben oder gedruckt gewesen. — Da es nun vnsern fuͤrtrefflichen Theologis als auch weltweisen Leuten wol angestanden/ das sie in jhren Buͤchern nicht allein sinnreiche kurtze Lehrspruͤche/ sondern auch gemeine Sprichwoͤrter in schlechter Rede oder schoͤnen Reimen gefuͤhret vnnd zierlich gebraucht haben/ so wird auch diese geringschetzige Arbeit niemand billich koͤnnen miſsfallen/ das es ist im lesen auſs jhren Buͤchern auffgeschrieben/ oder aus gemeyner teglicher vnterredung in Collationen vnnd sonsten auffgefasset/ vnd in ein Ordnung gebracht ... ut non dubitemus, quin libellus iste, quanquam nec doctus est nec elaboratus, tamen utilis futurus sit & lectu jucundus.“

Die Abfassung der Sammlung fällt noch in das 16. Jahrh., und zwar in die siebenziger und achtziger Jahre desselben; denn Pol. Leiser[B] in seiner Dedication erwähnt (Bl.):(5 a ), daſs er „ mehr denn vor zehen Jahren... gesehen/ das... Petri sein vielgeliebter Gefatter... diese Alte Teutsche Sprichwoͤrter vnd artige kurtze sinnreiche Spruͤche zusammen geschrieben/ vnd zu dem Drucke verfertiget hatte.“

Die Sammlung zerfällt, wie schon Eingangs erwähnt, in drei Theile, von welchen der erste (59 Bll.) von minderem Werthe ist, weil er etwa zur Hälfte nur versificierte oder umschriebene biblische Sentenzen liefert, der dritte (8⅔ Bll:) quantitativ die wenigsten Sprüche enthält und der zweite (428½ Bll.) das Hauptwerk bildet. Der Inhalt eines jeden Theiles folgt zwar dem Anscheine nach in alphabetischer Ordnung, diese ist aber in Wirklichkeit eine höchst oberflächliche und illusorische und verringert für den Forscher den Werth des Buches. Der Verfasser hat sich nämlich begnügt, sämmtliche Sprüche nur nach ihren Anfangsworten zusammenzustellen, wodurch die meisten Artikel zu einer unübersehbaren Voluminosi tät angeschwollen sind. So umfassen die Anfangsworte „Der“ (I. Th.) 167 und (II. Th.) 824 Sprichwörter; „Die“ (I. Th.) 79 und (II. Th.) 709; „Das“ (I. Th.) 77 und (II. Th.) 378; „Es“ (I. Th.) 97, (II. Th.) 1368 und (III. Th.) 17; „Geld“ (II. Th.) 129; „Gott“ (I. Th.) 217, (II. Th.) 169 und (III. Th.) 6; „Im“ (In, Ins) (I. Th.) 46, (II. Th.) 173 und (III. Th.) 4; „Man“ (I. Th.) 18, (II. Th.) 93 und (III. Th.) 15; „Narren“ (II. Th.) 129; „Was“ (I. Th.) 74 und (II. Th.) 599; „Wenn“ (Wenns) (II. Th.) 796; „Wer“ (Wers) (I. Th.) 219, (II. Th.) 2102 und (III. Th.) 32 u. s. w. Aber auch diese Ordnung wird nicht consequent durchgeführt, da sie nicht selten durch ungehörige Einschiebsel unterbrochen ist; so müssen z. B. mitten in „Auff“ (II. Th. 79 Spr.) Auffgeschoben, Auffrecht, Auffrichtigkeit, in „Es“ Esel, Essig, Esse ich etc., in „Den“ Dencken aufgesucht werden. Der Schluſs des zweiten Theiles bringt auſserdem nach dem Worte „Zwo“ (Bl. Oooiij a -Pppviij b ) noch eine neue von A–Z reichende ähnlich geordnete Zusammenstellung. Durch diese höchst primitive Anordnung wird das Aufsuchen eines Spruches und dessen Vergleichung in anderen Sammlungen sehr erschwert und ist schlieſslich oft eine ganz vergebliche.

Der erste Theil beginnt (Bl. A a ) mit dem Spruche: „Abgoͤtterey ist Gottes gespey/ | Vnd bringet Jamer mancherley“, der letzte (Bl. Hiij b ) lautet: „Zwey ding weiſs ich. Ein armer Suͤnder bin ich. | Gott ist Barmhertzig/ Das eine bekenne ich/ | Das ander glaub ich/ | Gott ist mir Suͤnder gnedig“. Die Sprüche des zweiten Theiles beginnen sogleich auf der Titel-Rückseite (Bl. Hiiij b ) mit dem ersten: „Abbruch der Muͤntze thut vns lehren/ | Wie sich die Welt hendel verkehren“ und schlieſsen (Bl. Pppviij b ) mit: „Zween thun mehr denn einer/ wenn sie auch das Brot | bettlen solten“, denen sich noch (vergl. oben) die sanitätlichen und calendarischen Mittheilungen anschlieſsen, welche nichts Sprichwörtliches enthalten. Der erste Spruch des dritten Theiles lautet (Bl. Rrriiij b ): „Ade Tugend/ hab ich Geld/ so bin ich lieb“ und der letzte (Bl. Sss4 a ): „Zween Finger auffheben ist leichter/ denn ein Spaden voll Erde“. Der „APPENDIX“ beginnt (Bl. Sss4 b ): „Alte Leut gehen alle Tage auff Grabes Bort“ und schlieſst, und zugleich die ganze Sammlung, mit:

Hettstu geschwiegen vnd gedacht/