So hett man dich fuͤr witzig geacht.

Eine Erklärung der Sprichwörter findet nur selten (im Ganzen 85mal) und dann nur in wenigen Worten statt; z. B. (Bl. Qij a ): „Die Deutschen trincken des Abends den Wein/ am Morgen die Hefen/ Das ist der Brantewein “, oder (Bl. Qiij a ): „Die faulen ruͤche/ geben die gute schluͤche/ Sprechen die Ferber “, oder (Bl. Sv a ): „Eilff und sieben/ | Wo ist mein Gut geblieben? so klagen die Spieler “ — weil, wie der Verfasser glaubt (Bl. (?)iiij a ) „die Spruͤche vnd die Lehr aus denselbigen ohn Erklerung auch dem gemeinen Man bekant sind.“ Es mochte allerdings diese Regel und in den meisten Fällen für jene Zeiten ihre Gültigkeit haben; uns Epi gonen aber ist, wie so manches Sprichwort der Altvordern, so auch das Verständniſs vieler, besonders sprichwörtlicher Redensarten[C] abhanden gekommen und wir vermissen auch hier nicht selten und ungerne eine Erläuterung; vgl. „Anken hilfft dem Krancken nicht“ (Bl. Iiiij a ); „Ein alter Man mauset gemainiglich einem andern einen Sperber fuͤr“ (Bl. Svj a ); „Sie muͤgen zuͤrnen/ biſs die grawen Roͤcke vorgehen/ die ohn vrsach zuͤrnen“ (Bl. Ss a ); „Von Seelen/ Engeln vnnd Fischen ist nicht gut predigen“ (Bl. Sssij a ); „Gegen den Abend gehen die Fische“ (Bl. Eevj b ); „Leufft Heintz so kompt Cuntz wider: Wen aber Heintz Cuntzen sagt/ wie es jhm gangen sey/ so bleibt Cuntz mit Heintzen aus“ (Bl. Mmvj a ) „Sanct Linhart gibt sein Eisen niemand/ es steles jhm den ein Dieb“ (Bl. Rriiij b — Bauernregel?); „Lieffland/ Blieffland“ (Bl. Mmvij b ) u. a. m. Den Spruch (Bl. Sssij a ): „Wachse Ertz/ wachse/ ob man schon nicht nasse Fluͤsse zusetzt“ erklärt Peters: „ Ist boͤser Bergleut Sprichwort/ vnd boͤser Brauch “. Ein uralter Volksspruch steht auf Bl. Bbiij b: „Wenn der weisse Reuter helt fuͤrm Holtz/ so ist gewiss der Sommer fuͤrhanden/ Ist der Dornbusch in seiner weissen Bluͤet “. Lateinischer Sprüche bedient sich Peters äuſserst sparsam, und dann stehen sie in Verbindung mit einem deutschen zu dessen Illustrierung, wie: „Der kiefel ist der alten Schutz/ Viro seni maxillae baculus“ (Bl. Oiiij a ). Apologische Sprüche fehlen gänzlich, und es bleibt, ungeachtet seiner in der Vorrede ausgesprochenen Ansichten über Spruch und Sprichwort, zu verwundern, daſs Peters nicht einen einzigen dieser hübschen Sprüche, welche bekanntlich Neander’s, seines Lehrers, Sammlung so werthvoll und anziehend machen, in die seinige aufgenommen hat. Die Zahl der niederdeutschen Sprichwörter beläuft sich auf 24; sie sind stets durch gröſseren Druck ausgezeichnet und gehören meistens zu den seltneren. Als Probe und Charakteristik mögen dieselben nebst der doppelten Anzahl hochdeutscher in nächster Nummer folgen.

(Schluſs folgt.)

Fußnoten:[A] Von theologischen Schriften des 16. Jahrh. und den ersten Jahren des 17. enthalten beispielsweise: Geiler von Kaisersberg’s Werke gegen 2000 Sprichwörter, sprichw. Redensarten und Vergleiche (Predigten über d. Narrensch. 231); Luther’s deutsche Werke (Jena, 1575. XI Voll. Fol.): Kirchenpost. 397, Hauspost. 234, Colloquia 831... in Summa 4158; Matthesius, Sarepta 468, Postilla 603, Syrach 1396; Casp. Huberinus, Erkler. des Jes. Syrach (1569) 739; die Postillen des Pauli (1572) 238, M. Chemnitius 85, Val. Herberger (Hertz Post.) 1487; das Theatrum Diabolorum (1575) 676; Dieterich, Buch d. Weiſsheyt 706; H. Leuchter, Prediger Salomo (1603) 69; M. Vischer, Auſsleg, d. Catechismi (1573) 491; Christoff. Fischer, Ausleg, d. Psalters (1590) 684. — Ich beschränke mich auf diese wenigen und lasse anderweitige Schriften jener Zeit und des 17. Jahrh. (Satiren, Facetien, Wörterbücher, Chroniken, Stammbücher, Praktiken und Kalender etc.), welche leider und zum gröſsten Theile den Sammlern deutscher Sprichwörter bislang eine völlige terra incognita geblieben, oder doch nur in sehr getrübten Quellen bekannt geworden sind, ungenannt. Aber es mag dies wol genügen, um anzudeuten, welche Schätze hier noch vergraben liegen, und um jeden Freund unserer Sprache, dem Beruf, Neigung oder Muſse gegeben ist, zu ermuntern, das Seinige zur Hebung dieser Schätze beizutragen und so den Aufbau eines erschöpfenden, auf chronologischer Grundlage ruhenden nationalen Sprichwörter-Lexicons, eines Corpus Proverbiorum Germanicorum ermöglichen zu helfen.[B] Policarpus Leiser war 1588 Superintendent zu Braunschweig; geb. 1552, † 1610 als Oberhofprediger zu Dresden.[C] Z. B.: Den Abt reiten lassen. — Das sind böhmische Dörfer; (keineswegs aus oder nach den Religionskriegen; schon bei G. Rollenhagen, Froschmevseler. Magdeb., 1621. 8. Bl. N a. Erster Druck: 1595. 8.) — Das geht über das Bohnenlied! (schon im 15. Jahrhundert. Vergl. Adalb. v. Keller, Fastnachtspiele. Stuttg., 1853. 8. II, 845). — Auf einem fahlen Pferde ertappt werden. — Der ie genante der ie genas. Boner (Benecke) XVI, 28. G. Amur, 1985[?]. — Das hat geschellt bei Durlach! (Pfälz. Redensart.) — Da liegt der Hund begraben! („Da ligt der Hund“ — „vnd klopfft auff seine daschen.“ Hans Sachs. Nürnberg, 1579. V, CCCXCIX 1. „Da ligt der Hund begraben.“ G. Rollenhagen, a. a. O. Bl. Aaiij a; „Hie liegt der Poet begraben. Hic situs est vates.“ Gürtleri, Lexicon. Basil., 1731. 8. situs). — Am Hungertuche nagen („neen am hungertuch Vnd müssen halben Sack zuͦbinden“). H. Sachs, Nürnb., 1558. I. Bl. 575 2; „das Hungertuch aufhengen“. Val. Herberger, Magn. Dei. Leipzig, 1605. I. 257. 267; „ins Hungerland ziehen“, id. Hertz Post., 1612, I, 305; „das Hungertuch, welches am Aschermittwoche gebraucht wurde, am Charfreitag zu Abend herablassen.“ W. Linck, Sermones. Altenb., 1523. 4. bei Vulpius, Curiosit. Weimar, 1811. 8. II, 477. „Velum jejunii“ schon im 13. Jahrh. cf. Haltans, gloss. (Leipzig, 1758) 981. — Einen Korb erhalten (= „durch den Korb fallen“. Tschudi, chron. lib. IV, p. 188 ad ann. 1282.

„Doch wenn er meint am vesten steh/

Nemt sie ein andern zu der Eh/

Als denn so ist er vor jn allen

Gantz spotweiſs durch den Korb gefallen/

Vnd thut jedermann von jm sagen/

Der buler hat die Weiſs geschlagen.“